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Neuss
Bildungswerk bangt um Jugendarbeit

Neuss: Bildungswerk bangt um Jugendarbeit
Im "Werkstattjahr" beim Kolping-Bildungswerk war in der Vergangenheit auch handwerkliches Geschick gefragt. 2012 zum Beispiel setzten die jungen Teilnehmer fünf Tore des Kinderbauernhofs in Stand. FOTO: Lothar Berns
Neuss. Beim Kolping-Bildungswerk ist man besorgt: Das bisherige "Werkstattjahr" fällt weg, für das Ersatzangebot, die "Produktionsschule", fehlt aber längerfristig die Finanzierung. Der Jugendhilfeausschuss tagt in einer Sondersitzung. Von Susanne Genath

Die Zusammenarbeit mit dem Kinderbauernhof bezeichnet Beate Hendges, Leiterin des Kolping-Bildungswerks in Neuss, als Glücksfall. "Die jungen Erwachsenen können mit Freunden oder Familie dort vorbeigehen und zum Beispiel sagen: ,Den Zaun haben wir gebaut'", sagt sie. Denn junge Menschen mit und ohne Schulabschluss, die noch nicht reif für eine Ausbildung sind oder Schwierigkeiten haben, eine Lehrstelle zu finden, will das Neusser Kolping-Bildungswerk mit berufsvorbereitenden Maßnahmen - wie handwerkliche Arbeiten für den Kinderbauernhof - auf einen späteren Job heranführen.

Allerdings tut sich nun eine Schwierigkeit für das Bildungswerk selbst auf. Denn ein etabliertes Angebot, das Werkstattjahr für Jugendliche unter 18 Jahren, fällt weg und soll, so Hendges, auf Wunsch der neuen Regierung durch ein neues Modell, die "Produktionsschule" ersetzt werden. Die Finanzierung für das in Kürze beginnende Angebot habe gerade noch mit Hilfe des Rhein-Kreises bewerkstelligt werden können. "Für das nächste Jahr fehlt sie aber noch." Der Jugendhilfeausschuss tagt deshalb unter anderem dazu in einer Sondersitzung im Oktober.

FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)

"Jugendberufshilfe ist wichtig", sagt Ausschussvorsitzende Susanne Benary-Höck (Grüne). "Ich erlebe immer mehr, wie viele Schwierigkeiten junge Menschen haben, einen Beruf zu finden." Deshalb soll in dem Gremium besprochen werden, wie eine Lösung für das Kolping-Bildungswerk gefunden werden kann.

"900 Euro kostet ein Platz pro Teilnehmer pro Monat", erklärt Hendges. Zwei Drittel davon zahlten das Arbeitsministerium sowie der Europäische Sozialfonds. Für das letzte Drittel sei ein Kofinanzierer nötig.

Im Werkstattjahr, das an der Hauptstelle an der Rheydter Straße angesiedelt war, habe man bislang 18 Jugendlichen einen Platz bieten können. "Sie konnten sich darin austesten und schauen, welche Arbeiten ihnen liegen", sagt Hendges. Dabei hätten unter anderem die Auftragsarbeiten für den Kinderbauernhof - meist verbunden mit einer Be- oder Verarbeitung von Holz - eine wichtige Rolle gespielt. Aber Einnahmen aus der Arbeit der Jugendlichen seien eher ein willkommener Nebeneffekt gewesen.

Das künftige Konzept der Produktionsschule setze dagegen stark darauf, dass die 16- und 17-Jährigen in dieser berufsvorbereitenden Maßnahme Tätigkeiten entwickelten, mit denen sich Geld verdienen lasse. Insgesamt sollen 36 Plätze zur Verfügung stehen: 18 im Kolping-Haus an der Adolfstraße 12, weitere 18 im Berufsförderungszentrum (BFZ) Schlicherum an der St.-Antonius-Straße 36.

"Anders als bisher sollen die Plätze aber nur Jugendlichen offen stehen, deren Eltern ein geringes Einkommen haben", sagt Beate Hendges. Sinnvoll findet sie diese Regelung nicht. "Es sind ja nicht nur Kinder aus sozial schwachen Familien, die mitunter leistungsschwach sind und Unterstützung brauchen."

Eine andere Produktionsschule - die erste im Rhein-Kreis Neuss - ist bereits im vergangenen Jahr beim Kolping-Bildungswerk gestartet: eine für junge Erwachsene unter 25 Jahren. Hier zahle das Jobcenter das fehlende Drittel der Kosten. Die Inhalte seien andere. "Die Teilnehmer haben zum Teil schon eine abgebrochene Ausbildung hinter sich", berichtet Hendges. "Bei der neuen Produktionsschule für Jugendliche wird der Schwerpunkt dagegen - wie schon im Werkstattjahr - stark auf Pädagogik liegen." 30 der 36 Plätze seien schon besetzt. "Es können sich noch Interessenten melden."

Hendges hofft, dass es noch eine weitere Produktionsschule geben wird: für Jugendliche, deren Eltern ein normales oder gutes Einkommen haben.

Quelle: NGZ
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