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Neuss
Das Buch in der Kunst

Neuss. Das Buch galt schon immer als Zeichen des Wissens und der Bildung. Zum morgigen Welttag des Buches reicht ein Blick in den Bestand des Clemens-Sels-Museum, um bildgewordene Beispiele dafür zu finden. Von Helga Bittner

Wenn Uta Husmeier-Schirlitz, die Direktorin des Clemens-Sels-Museums, zu ihren Schätzen im Haus befragt wird, nennt sie gerne die "Lesende Frau an der Lampe", von József Rippl-Rónai 1891 gemalt. Warum? "Sie träumt." Das liest die Kunsthistorikerin jedenfalls in dem Bild, denn die Frau schaue nicht auf das Geschriebene, "sondern hat die Augen geschlossen". Sind es Erinnerungen, die die gelesenen Worte in ihr wachrufen, oder wecken sie Gedanken in ihr, denen sie nachhängt? Wie bei so vielen Bildern, auf denen Lesende gezeigt werden, ist es eine Frage der Interpretation, was sie fesselt.

Lesende in der bildenden Kunst sind zu allen Zeiten ein beliebtes Motiv. Vorrangig sind es Frauen, die mit einem Buch in der Hand porträtiert werden, allerdings war dies zu früheren Zeiten vor allem religiöse Lektüre. "Das war das, was man den Frauen zugestand", sagt Uta Husmeier-Schirlitz schmunzelnd. Auch das berühmte Porträt der Maria Theresa Zambaco, das Edward Burne-Jones1870 als Guache malte, zeigt unter den Händen der schönen Frau - ein Gebetsbüchlein. Nur dass es durchaus auch eine tiefere Bedeutung hat, denn Burne-Jones, der eine Liaison mit Maria Theresa Zambaco hatte, schmückte es mit einer Illustration, mit der er sein eigenes Aquarell "Das Liebeslied" zitierte. Wilhelm Leibls Radierung "Lesende Frau im Profil" hat der Künstler 1874 wohl ganz als Genrebild komponiert - eben als Darstellung des Lesens. Die Züge der Bäuerin sind wenig ausgearbeitet, es geht um die Haltung und das Tun an sich. "Die Lesende" von Wilhelm Schmurr ist vermutlich eine Auftragsarbeit, es zeigt Claire Wohlthat, die einer alten Neusser Familie des Bildungsbürgertums entstammt, vor der Godesburg. Die Arbeit ist bildhaftes Zeugnis dafür ist, dass ein Buch und eine Dame ein zusammengehörendes Motiv sind. Dass Otto Pankok dem Neusser Gabriel Pfeill auf dem 2012 zufällig entdeckten Porträt ebenfalls ein Buch in die Hand gibt, hängt wohl mit der Pression des Porträtierten zusammen: Er war Dichter und Kunstkritiker.

Abbildungen im Uhrzeigersinn: Wilhelm Schmurr: Die Lesende; Edward Burne-Jones: Porträt der Maria Theresa Zambaco; Otto Pankok: Porträt des Dichters Gabriel Pfeill; József Rippl-Rónai: Lesende Frau an der Lampe; Wilhelm Leibl: Lesende Frau im Profil. Repros: CSM

Quelle: NGZ
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