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Neuss
Das Büdchen - ein Symbol für Heimat

Neuss: Das Büdchen - ein Symbol für Heimat
Das Ensemble "Die Herbstfalter" zeigt sein neues Stück vier Mal im Theater am Schlachthof. Seit April wurde dafür geprobt. Morgen Abend ist Premiere. FOTO: Anja Tinter
Neuss. Das gute alte Büdchen ist Kulturgut und Treffpunkt. Im neuen Stück der Theatergruppe "Die Herbstfalter" wird es zum Symbol für Heimat. Insgesamt wird es vier Aufführungen im Theater am Schlachthof geben. Von Andreas Buchbauer

Als das Licht im Theater am Schlachthof runtergedimmt ist, kommt Leben in die Bude. Die Darsteller des Stücks "Ein Stück Heimat", das morgen Abend um 20 Uhr Premiere hat, stehen auf der Bühne und arbeiten am letzten Feinschliff. Seit April proben sie für die insgesamt vier Aufführungen, in dieser Woche haben sie das Tempo noch mal angezogen. Jeden Tag ist Probe, auch die letzten Details sollen sitzen. Das ist dem Ensemble "Die Herbstfalter" wichtig. Ihr komplett selbst erarbeitetes Stück setzt nicht nur dem Büdchen um die Ecke ein Denkmal, es spiegelt es auch als Kulturgut und Treffpunkt - und als Stück Heimat. Dort kommen Nachbarn, gleich welcher Herkunft, in Kontakt miteinander. Das Büdchen ist der Ort im Veedel, der die Menschen zusammenschweißt. Ein gemeinsamer Nenner.

Nur: Im Stück ist das Büdchen in Gefahr. "Eine städtische Baumaßnahme sorgt dafür, dass eine Sackgasse entsteht und das Büdchen abgeschnitten wird. Die Laufkundschaft bricht weg", erklärt Darstellerin Karin Günther. Es muss ein Weg gefunden werden, das Büdchen, dieses Symbol für Heimat, zu retten. Das ist der Kern der Geschichte, die das Ensemble im Theater am Schlachthof auf die Bühne bringt. In der Szene, die gerade geprobt wird, stehen sie alle in der liebevoll gestalteten Büdchen-Kulisse, und irgendwann fällt der schöne Satz: "Wer einmal hier war, der kommt immer wieder". Es sei denn, das Büdchen muss dicht machen. Wenn dieses Stück Heimat verloren geht, ist eine Rückkehr nicht mehr möglich und der Weg so abgeschnitten wie das Büdchen im Stück durch die Baumaßnahme vom Rest der Welt. Zwei Fragen sind zentral im Stück der Herbstfalter: Was bedeutet es, wenn man seine Heimat verliert? Und: Was bedeutet Heimat überhaupt? Den Antworten darauf nähern sich die Darsteller in dem anderthalbstündigen Stück an - aus unterschiedlichen Perspektiven. "Die Szenen und Figuren haben wir nach und nach entwickelt", sagt Darstellerin Angelika Lange. Das Büdchen wird zum Ort, an dem sich die Menschen zusammenraufen. Regisseurin Sarah Binias betont, dass zu Beginn eben nicht alles "Friede, Freude, Eierkuchen" sei. Da sind die Alteingesessenen, die sich an den Zugezogenen stören. Es gibt Rückkehrer, die die Welt bereist haben, und nun, mit dem Wissen des Globetrotters, einen ganz neuen Blick auf die Heimat gewonnen haben. Und es gibt Anwohner, die sich nicht wohlfühlen und davon träumen, auszuwandern. Auch Fluchtgeschichten werden erzählt, aber sie runden nur das Bild der Lebensbiografien ab, die da im Büdchen aufeinandertreffen, verhandelt werden und letztlich im gemeinsamen Ziel münden: das Büdchen, dieses Heimat-Symbol, retten.

Die Herbstfalter gehen das Stück mit großer Begeisterung an. Das Ensemble besteht aus acht Frauen und einem Mann zwischen 55 und 80 Jahren, die mittlerweile seit drei Jahren zusammen Theater spielen. Eine Premiere ist natürlich nach wie vor etwas Besonderes. Deshalb wird alles genau geprobt. Damit bei den Aufführungen alles sitzt.

Quelle: NGZ
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