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Serie Menschen Im Lukaskrankenhaus
Der "Chef" im OP ist überhaupt kein Arzt

Serie Menschen Im Lukaskrankenhaus: Der "Chef" im OP ist überhaupt kein Arzt
Kay Winkler-Parciak ist Chef-OP-Pfleger im Lukaskrankenhaus und behält den Überblick. Auch bei Notfällen muss er umsichtig reagieren. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Kay Winkler-Parciak ist Chef-OP-Pfleger und behält den Überblick über alle stattfindenden Operationen und Notfälle im Lukaskrankenhaus.

43 Operationen sind an diesem Tag geplant. Kay Winkler-Parciak behält den Überblick. Seit der Planung am Nachmittag zuvor hat er Teams eingeteilt, Pausen berücksichtigt, den Vorrat an Instrumenten überprüft. Kay Winkler-Parciak (38) ist Chef-OP-Pfleger im Lukaskrankenhaus. Er ist der große Kommunikator - oder, wie er es ausdrückt: "Am Abend habe ich keine Spucke mehr."

Neun Operationssäle hat das Lukaskrankenhaus. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewähren, der auch ungeplante Eingriffe zulässt, muss die Logistik bis ins Kleinste stimmen. "Wir sind hier wie Zahnräder, die ineinandergreifen. Die Teamarbeit macht's", sagt der Chef-Pfleger. Der Arbeitstag beginnt um 7 Uhr. Im Krankenhausinformationssystem KIS ist hinterlegt, wer wann mit welchem Befund in welchem Saal operiert wird, ständig wird aktualisiert, ob die Operation beendet und der nächste Patient in der Vorbereitung ist.

Kay Winkler-Parciak überprüft, ob es Veränderungen gegenüber den Planungen vom Vortag gibt, ob er bei der Personaleinteilung schon jetzt neu organisieren muss - oder erst im Laufe des Tages, was immer zu erwarten ist. Um 8 Uhr geht es los mit den geplanten Eingriffen. Kleine und große Operationen, leichte und schwere, mal dauert es an diesem Tag nur zehn Minuten, wie der Entfernung einer Schraube, mal vier Stunden bei der Entfernung einer Harnblase und dem Einsetzen einer "neuen" Blase aus einem Stück Darm. Eine Leistenoperation, Eingriffe an der Schilddrüse, eine Sprunggelenk-Operation, eine Hüftprothese, ein Kaiserschnitt. So beginnt der Tag.

Im Büro des Pflegeleiters steckt ständig jemand mit einer Frage den Kopf herein, ist er unterwegs im OP-Bereich, klingelt das Telefon noch öfter als zuvor. Eine OP-Schwester meldet sich ab, die Teambesetzung wird neu organisiert. Ein Medizintechniker holt einen Endoskopie-Turm, der technisch aufgerüstet wird, ab - Kay Winkler-Parciak muss sicherstellen, dass die übrigen Türme ausreichen.

Ab Mittag beginnen die Umplanungen. Der OP-Manager muss Eingriffe von einem Saal in den anderen verschieben. Ein Notfall, gerade während Ärzte einer anderen Klinik bei einer großen Hernien-Operation hospitieren. Kay Winkler-Parciak sagt: "Ich habe schon meine Ausbildung hier im Lukas gemacht, war erst auf der Station, dann im OP. Und ich habe die Arbeit gerade hier kennen- und lieben gelernt."

Kurz vor dem Feierabend wird eine starke Blutung gemeldet - Notfall. Wieder muss umorganisiert werden. "Wichtig ist, dass alles auch dann, wenn es wirklich schnell gehen muss, in Ruhe und strukturiert abläuft", sagt der OP-Pfleger. Und am Abend, als er zu Hause die Laufschuhe schnüren will, kommt der Anruf aus dem Lukas: Es gibt gleich zwei Notfälle, es geht um Leben und Tod. Natürlich fährt er zurück, er wohnt ganz in der Nähe. Jetzt, am nächsten Morgen, kann er berichten: Alles ist gut gegangen. Laufen wird er eben einen Tag später. Er lächelt und verweist auf sein Lauf-Shirt: "24 Stunden, 365 Tage im Jahr", steht auf diesem. "Genauso ist es doch", sagt er.

Quelle: NGZ
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