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Neuss
Die Neusser Ideenfabrik

Neuss: Die Neusser Ideenfabrik
Marcus Sauerborn arbeitet im Klebstoff-Labor von 3M. FOTO: woi
Neuss. Der Multitechnologiekonzern 3M tüftelt in Neuss mit 350 Forschern und Entwicklern an Problemlösungen - vom Klebstoff bis zur Lackreparatur. Von Andreas Gruhn

Der Ampelklebstoff kam über Nacht. Das Experiment mit Farbstoffen im Kleber endete am Abend, da war die Masse noch farblos. Und als Forscher Adrian Jung am nächsten Tag wieder ins 3M-Labor kam, war der Kleber auf einmal eingefärbt. Das war vor ein paar Jahren. Aus der Idee von damals ist heute ein Produkt geworden, mit dem der Multitechnologiekonzern in der Industrie für Aufsehen sorgt: ein Ampelklebstoff, der die Farbe wechselt, wenn er aushärtet. Entstanden ist er in der Neusser Ideenfabrik des Konzerns.

Geht man durch die Gänge in der Neusser Zentrale, kann man durch die Glasfenster in viele Labors blicken. Manche davon sind so geheim, dass der Zutritt streng reguliert ist. In andere wiederum, wie in das Klebstofflabor von Marcus Sauerborn, werden auch Besucher eingelassen. Der Klebstoffexperte entwickelt keine neuen Produkte, sondern tüftelt für Kunden daran, wie man bestehende 3M-Entwicklungen einsetzen kann. "Wir bekommen eine Problemstellung und probieren aus, wie wir sie mit unseren Mitteln und Ideen lösen können", sagt Sauerborn. Der Baukasten, aus dem sich die Spezialisten bedienen, ist riesig. Die Erwartungen sind es aber auch. Jährlich kommen rund 7000 Besucher zu 3M nach Neuss, die eine Lösung wollen.

Kundennahe Forschung bezeichnet dies das Unternehmen, das für den Konzern Geschäftsgrundlage ist. Ideen sind das Geschäftsmodell, mit dem die deutsche Tochter am Heimatmarkt rund 2,4 Milliarden Euro Umsatz im Jahr macht. Fast ein Drittel davon wird mit Produkten erzielt, die jünger als fünf Jahre sind. Und das funktioniert auf zweierlei Art und Weise. Erstens sind Mitarbeiter dazu angehalten, eigenverantwortlich an Ideen zu arbeiten. Dafür dürfen sie 15 Prozent ihrer Arbeitszeit aufwenden. Die andere, nämlich die institutionalisierte Form der Innovation, wird mit einer stattlichen Summe an Geld angetrieben. 2012 machten Forschungsausgaben 5,5 Prozent des Umsatzes aus. Bis zum Jahr 2017, so das Unternehmensziel, sollen es sechs Prozent sein. Dafür ist NRW einer der wichtigsten Standorte. In Neuss betreibt 3M sein mit 350 Wissenschaftlern und Technikern größtes Entwicklungszentrum außerhalb der USA. Erdacht wird in Neuss, gefertigt in Hilden und Kamen, und vom Logistikzentrum Jüchen aus wird die Ware in Europa verteilt. 6200 Beschäftigte arbeiten für 3M Deutschland, 1550 in Neuss.

Einer von ihnen ist Jörg Muschter, er arbeitet in einer relativ jungen Abteilung: in einer Art Autowerkstatt. In dem 2008 eingerichteten Automotive-Zentrum erarbeitet der Ingenieur mit seinem Team Optimierungs-Konzepte für die Bearbeitung von Oberflächen in Werkstätten. Dabei geht es zum Beispiel um Auto- und Lackreparatur-Systeme, in denen die Kunden geschult werden. Aber auch Airbus hat Mitarbeiter dort bereits schulen lassen. Ganze Arbeitsprozesse rund ums Lackieren und Bekleben mit Folien werden entwickelt auf der Grundlage der konzerneigenen Produktpalette. "Wir konstruieren und entwickeln komplette Applikationen zusammen mit dem Kunden", sagt Jörg Muschter. Und das ist viel Kleinarbeit, Tüftelei.

Nicht alles passiert über Nacht.

Quelle: NGZ
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