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Neuss
Die Neusser Waterfront

Neuss: Die Neusser Waterfront
Ein futuristisches Bürogebäude - dem Steuerhaus eines Schubschiffes nachempfunden - soll am Hafenbecken I errichtet werden. FOTO: NGZ
Neuss. Architekt Oliver Ingenhoven lässt mit einem kühnen Entwurf die Stadt näher ans Wasser rücken. Fußgängerbrücken überqueren die Batteriestraße und verbinden die City mit der neuen Uferpromenade. Die Cretschmarhallen werden umgestaltet, und die Schule Marienberg erhält eine Aula. Von Ludger Baten und Klaus D. Schumilas

Neuss Dr. Bernd Koenemann ist begeistert. Er würde die Ideen für die Neugestaltung des Westufers am Hafenbecken I am liebsten "schon morgen umsetzen". Doch etwas muss sich der Vorsitzende der CDU-Ratsmehrheit noch gedulden.

Aber am Dienstag Abend gab's viel Beifall für Oliver Ingenhoven, der seinen Entwurf dem Beirat der Stadthafen GmbH vorstellte. Koenemann, in Personalunion auch Vorsitzender des Beirates beim städtischen Tochterunternehmen, ist von der städtebaulichen Konzeption überzeugt: "So rückt Neuss wie gewünscht wieder näher ans Wasser."

Blickfang der Ingenhoven-Lösung ist ein futuristischer Neubau auf dem Grundstück zwischen Hessentorbrücke und Cretschmarhallen, das heute als Parkplatz genutzt wird. Die Gestaltung erinnert an das Steuerhaus eines Schubschiffes. Ingenhoven sieht in diesem so genannten Kopfgebäude ein "Pendant zum Haus am Pegel".

Die Anbindung an die Innenstadt erfolgt über eine Achse Büchel, Münsterplatz und Münsterstraße zu einer Fußgängerbrücke, die die Batteriestraße quert und am Kopfgebäude direkt an das Wasser führt.

Diese Verbindung will Ingenhoven zudem aufwerten, indem er unmittelbar an der Stadtmauerkante zwischen Zeughaus und Glockhammer einen Spazierweg schafft: "Dies ist sinnvoll, da jetzt auch der Glockhammer und der Markt mit der neuen Brücke kurzgeschlossen sind und nunmehr einen fußläufigen Rundweg bilden, auf der Passanten ohne Querung der Batteriestraße die Hafenpromenade erreichen können."

Für den Teil der Cretschmarhallen, der dem UCI-Großkino zugewandt ist, schlägt Oliver Ingenhoven vor, dort eine Aula und die erforderliche Mensa der Schule Marienberg unterzubringen. Auch dort könnte eine Fußgängerbrücke die Erschließung ermöglichen. Diesem kühnen Gedanken kann Wilhelm F. Thywissen im Grundsatz sehr positive Aspekte abgewinnen.

Thywissen, der die Entwürfe kennt, ist stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Marienberg: "Eine schöne Idee. Das fehlt uns nämlich an Marienberg: Erstens eine große Aula und zweitens die Möglichkeit, die Kinder über Mittag versorgen zu können." Wenn das Projekt finanziell darzustellen sei, will es Thywissen unterstützen: "Aber über Kosten ist bisher noch nicht gesprochen worden - das ist letztlich der entscheidende Punkt."

Im mittleren Teil der Cretschmarhallen, den so genannten "Häusern 2 und 3", könnten in den oberen Etagen Büros und Praxen einziehen. Sie scheinen auch für Gastronomie geeignet. Im Erdgeschoss könnten Parkplätze entstehen; die Flächen eventuell am Wochenende für Veranstaltungen oder Märkte genutzt werden.

"Dort entsteht ein hochwertiger Standort", zeigt sich Stadthafen-Geschäftsführer Klaus Harnischmacher überzeugt, "die Planungen sind überzeugend und locken schon jetzt viele Interessenten an." Schon in der kommenden Woche wird das Stadthafen-Projekt auf der Immobilienmesse "Expo Real" in München einem internationalen Fachpublikum vorgestellt. Und noch eins versichert Harnischmacher: "Das Greyhound Café bleibt von den Planungen unberührt."

Die Ingenhoven-Pläne führten zu einer weiteren Konsequenz: Die fußläufige Stadtanbindung lässt sich nur realisieren, wenn der Komplex, der einst die Münsterschule beherbergte, abgerissen würde. Harnischmacher: "Auch eine Chance. Dort könnten in bester Citylage 32 neue Wohneinheiten entstehen."

Quelle: NGZ
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