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Neuss
Die "Rathauskantine" feiert ein (Grill-)Fest

Neuss: Die "Rathauskantine" feiert ein (Grill-)Fest
Jens Spörckmann, Dennis Prang, Matthias Reuter und Stefanie Otten (v.l.) in der "Rathauskantine". FOTO: C. Habermann
Neuss. Matthias Reuter verstärkte das Kabarett-Team der "Rathauskantine" vom Theater am Schlachthof. Von Martin Horn

Als Ensemblemitglieder des Theaters am Schlachthof im Dezember 2012 mit der "Rathauskantine" ein neues Kabarett-Format schufen, hatte niemand mit solchem Erfolg gerechnet. Im fünften Jahr gilt eine nahezu 100-prozentige Auslastung als gesetzt. Die Mischung aus politischer Aktualität und regionaler kabarettistischer Spurensuche in Neuss hat punktgenau den Nerv getroffen. "Den Erfolg konnten wir so natürlich nicht planen, aber das kann man schon Kult nennen", sagt Regisseur Markus Andrae nicht ohne Stolz.

Drei schräge Charaktere - die jeder in sich selbst schon einmal wiedergefunden hat - bilden das Herzstück des Kantinenalltags: Controllerin Simone Strack (Stefanie Otten), Hausmeister Jupp Schwaderath (Dennis Prang) sowie Archivar Alfred Sülheim (Jens Spörckmann). Und sie bekommen großartige Verstärkung. Wie jetzt mit dem Oberhausener Kabarettisten Matthias Reuter, er ist ein Kind des Ruhrgebietes und somit Experte für Grabungstechnik. Der Richtige also, um Archivar Sülheim im Rathaus-Innenhof zur Seite zu stehen, der dort archäologisch tätig werden will. Dass Controllerin Strack am gleichen Ort zur gleichen Zeit ein Grillfest für die städtischen Angestellten ausrichten möchte, kann daher nur zu Ärger führen. Und Hausmeister Jupp gerät zwischen die Fronten.

Ansonsten bietet der Abend einen heißen Ritt durch die politischen Schlagzeilen der letzten Wochen, was nicht nur an den hochsommerlichen Temperaturen liegt. Das CDU-Wahlkampfthema Innere Sicherheit wird im Rathaus von den skurrilen Geheimagenten "M" und "Z" überprüft, die beiden sind sicher, dass Satanismus und Verfolgung Einzug gehalten haben. Aber da sind sie wohl bei ihren Internetrecherchen recht absurden Ergüssen anderer aufgesessen.

Jason-Freddy ist auch wieder dabei, kommt mit seiner leicht überdrehten Mutter irrtümlich in die Amtsstuben, um einen Impfpass abzuholen. Doch dann ergötzen sich beide voyeuristisch - mit dem Handy am Fenster filmend - an einem Verkehrsunfall vor der Tür. Schamlos oder nur ein Zeichen der Zeit?

Viele turbulente Rollenwechsel, mehr als zwei Stunden Programm und ein herzerfrischend komischer Matthias Reuter begeistern das Publikum. Und am Ende wird es gar noch feierlich, erzählen die drei Protagonisten doch, dass sie den diesjährigen Rekelieser-Orden von den Neusser Heimatfreunden verliehen bekommen. Damit wird die Fähigkeit gewürdigt, selbst bittere Wahrheiten in humorvoller Weise darzustellen. Das darf als Anerkennung verstanden werden und macht die "Rathauskantine" und das Theater am Schlachthof bestimmt noch ein bisschen stolzer.

Quelle: NGZ
 
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