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Neuss
Helferin bei der Rückkehr in die Kirche

Neuss: Helferin bei der Rückkehr in die Kirche
FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)
Neuss. Pfarrerin Eva Brügge will mit der Kircheneintrittstelle im Haus der Diakonie die evangelischen Christen erreichen, denen die Grenzen der Ortsgemeinde egal sind, oder die ihre Rückkehr ohne den Ortspfarrer gestalten wollen. Von Christoph Kleinau

Die evangelische Kirche in Neuss senkt die (Hemm)-Schwelle für Rückkehrer deutlich ab. Nachdem die Landeskirche vor einem Jahr von der Regelung Abschied nahm, dass die Wiederaufnahme von einem ordinierten Theologen vollzogen werden muss, griff Pfarrerin Eva Brügge (53) eine Idee auf, die schon etwas länger im Verband der evangelischen Kirchengemeinden in Neuss diskutiert wird: die Vorstellung einer von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragenen Kircheneintrittsstelle. Am Samstag, 20. Februar, wird sie im "Haus der Diakonie" am Konvent offiziell eröffnet.

"Lange war in der Kirche die Haltung üblich: Wer nicht lebt, wie wir und das vorstellen, interessiert uns wenig", sagt Pfarrer Sebastian Appelfeller, der Vorsitzende des Gemeindeverbandes. Diese Sicht auf die Gläubigen hat sich ebenso gründlich geändert wie deren Sicht auf die Kirche. "Immer mehr Menschen sind die Grenzen der Ortsgemeinden egal", sagt er. Sie sind mobil, engagieren sich projektbezogen - wenn überhaupt. Dieses andere Verständnis akzeptiert die Kirche zunehmend und begegnet ihm mit einer Pastoral, die stadtweit ausgerichtet ist und ihre Angebote auch auf ihrer Internetseite nach Kategorien wie Interessen ordnet und nicht (mehr) nach Gemeinden sortiert. Die dezentrale Kircheneintrittsstelle ist ein Detail, das diesen Wandel ausdrückt.

"Die Eintrittstelle bietet die Chance, Menschen zu erreichen, die einen anderen Rahmen brauchen", sagt Brügge. Unkompliziert und ohne großen bürokratischen Aufwand soll ein Gespräch über den Wiedereintritt sein - und der selber auch. Eine Konkurrenz zum Ortspfarrer will man nicht sein.

Die Eintrittsstelle hat aber auch eine andere Gruppe im Blick: Die, die aus wirtschaftlichen Gründen ausgetreten sind um die Kirchensteuer zu sparen - nachem kirchlich geheiratet, die Kinder getauft oder gar konfirmiert wurden. Brügge weiß, dass es solchen Menschen nicht leicht fällt, dem gleichen Ortspfarrer mit dem Wunsch nach Rückkehr unter die Augen zu treten. Entscheidender als ein möglicherweise schlechtes Gewissen ist aber für sie, dass in vielen Fällen die Beziehung dieser Menschen zur Kirche nie ganz abgerissen ist. Dort will sie die Rückkehrer einfach abholen.

Die Gründe, die viele Rückkehrer für ihren Entschluss geltend machen, bestärken diese Sicht. "Bei den meisten ist es der Wunsch nach einer geistlichen Heimat", sagt Appelfeller. Danach kommen biografische Beweggründe: Man will kirchlich heiraten oder Taufpate sein. Mitunter - und das erlebt Brügge gerade als Krankenhausseelsorgerin - wenden sich Menschen der Kirche wieder zu, wenn sie diese anders erlebt haben. In Lebenskrisen, im Krankenhaus, als Notfallseelsorger. Berufliche Gründe, etwa der Wechsel zu einem kirchlichen Arbeitgeber, spielt kaum eine Rolle.

Voraussetzung für eine Rückkehr sind Taufe und der vollzogene Austritt. Ein Ort der Missionierung ist die Einrichtung nämlich nicht, aber eben auch kein Amt. So laden Brügge oder die theologisch geschulten Laien in ihrem Team immer erst dazu ein, dass jeder seine Geschichte und von seinem Blick auf die Kirche erzählt. Der formale Akt der Rückkehr selbst ist nüchtern - Antrag an die Meldestelle und Nachricht über die Ortsgemeinde -,kann aber mit einer liturgischen Feier abgeschlossen werden. Kann, muss nicht, betont Brügge.

Quelle: NGZ
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