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Neuss
Kabarett-Publikum begeistert von der "Showdownsuppe"

Neuss. Ein Fernsehduell sollte der Höhepunkt im Wahlkampf um den nächsten Neusser Bürgermeister werden. Dumm nur, dass sämtliche lokale Fernsehsender keinerlei Interesse an einer Übertragung dieses TV-Highlights zeigten. So musste also das eingespielte Team von der Rathauskantine in ihrem neusten Programm "Showdownsuppe mit Wahlkampfeinlage", das am Freitag im TaS Premiere feierte, wieder einmal beweisen, wie perfekt im Neusser Rathaus gearbeitet wird. Oder anders gesagt: Das konnte wieder nur im Chaos enden. Denn auch diesmal erwiesen sich Controllerin Simone Strack (Stefanie Otten), Archivar Alfred Sülheim (Jens Spörckmann) und Hausmeister, Jupp Schwaderath (Dennis Prang) als äußerst selbstbezogene Mitarbeiter, bei denen der eine nicht weiß, was der andere tut. Wie immer war dabei Frau Strack die einzige, die einigermaßen einen Überblick behielt, über alles, was bislang noch NICHT organisiert war. Herr Sülheim indes bemühte sich, alles auf den letzten Drücker zu erledigen und geriet dabei von einer Verlegenheit in die nächste, während Hausmeister Schwaderlapp das ganze feixend und mit unverwechselbar dämlichem Lachen kommentierte. Von Sebsatian Schaefer

Dieses unterhaltsame Chaos, das die Qualität eines volkstümlichen Theaterschmankerls hatte und die Zuschauer mit leichter Unterhaltung bestens bei Laune hielt, bildete die Rahmenhandlung für die teilweise politik- und gesellschaftskritischen Soloauftritte der Darsteller. So durfte Herr Sülheim sich Luft machen, über die Langweile des tatsächlichen Bürgermeisterwahlkampfes ("Breuer gegen Nickel, das ist wie Stonehenge gegen die Pyramiden: wer verwittert schneller?"), von dem man bislang überhaupt nichts mitbekommt.

Dennis Prang referierte zwischenzeitlich in der Rolle eines Möbelpackers aus dem Ruhrgebiet über Leid und Elend im Niedriglohnsektor, während Stefanie Otten in der Rolle der Fernsehreporterin Penny Wise die Reise afrikanischer Flüchtlinge zynisch als einen Triathlon moderierte. Der Oberhausener Kabarettist Matthias Reuter begeisterte mit seinen Liedern, dabei mehr sprechend als singend und oft absichtlich neben dem Takt liegend. So präsentierte er die WM in Katar, anhand von in Fußballreportagen umgetextete Weihnachtslieder oder behandelte die Frage, warum man im Ruhrgebiet mittlerweile acht bayerische Oktoberfeste in jeder Stadt feiert. Reuter war das Sahnehäubchen auf der kabarettistischen Torte, die der Rest der Rathauskantine angerichtet hatte.

Quelle: NGZ
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