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Neuss
Kunst macht den Krankenhausalltag bunt

Neuss. Rund zwei Monate lang sind die farbenfrohen Bilder des Künstlers Ioan Iacobs im Etienne zu sehen.

In einem Krankenhaus hat Ioan Iacobs seine Bilder noch nie gezeigt. "Das ist gewöhnungsbedürftig. Normalerweise präsentiere ich meine Werke in einem Raum, in den die Menschen kommen, um sie zu betrachten", sagt der Maler.

Nun empfangen vier großformatige Werke die Besucher und Patienten im Foyer des Johanna-Etienne-Krankenhauses. Insgesamt 46 Bilder werden im Rahmen der Reihe "Kunst im Etienne" zwei Monate lang in der Klinik zu sehen sein. "Ich habe bei der Auswahl auf Farben geachtet, die positiv auf das Gemüt wirken. Viele Menschen, die sich hier aufhalten, haben andere Sorgen als sich über ein düsteres Bild zu ärgern. Die Werke sollen die Menschen erfreuen und anregen", erklärt Ioan Iacobs.

Seine Motive findet der rumänisch-deutsche Künstler in seiner Umgebung. Wie etwa das Nest, das für das gleichnamige Zwei-Meter-Gemälde im Foyer Pate stand. "Ich habe im Winter ein verlassenes Vogelnest gefunden und mit nach Hause genommen. Ein faszinierend filigranes Meisterwerk. Ich habe es zwei Jahre lang auf meinem Tisch gehabt. Dann ist es langsam zerfallen", erzählt er. In seinem Atelier hat er ein Sammelsurium unterschiedlichster Fundstücke, die er zu Kunstwerken arrangiert und auf Leinwand bannt. "Ich neige dazu, ein bisschen zu verwildern. Ich habe Obst, das langsam vergammelt, welkende Blumen, Äste. Mein Arbeitstisch ist niemals leer", erzählt er. Seine Freundin habe ihm einmal einen Korb voller Bücher, DVDs und Kassetten geschenkt, in denen er Inspirationen finden solle. "Der Korb stand lange in meinem Atelier. Ich niemals hinein geschaut. Aber irgendwann inspirierte er mich zu einem Bild", erzählt er. "Mathilde's Korb" ist nun ebenfalls im Klinik-Foyer zu sehen, 1,80 mal 1,70 Meter groß, in leuchtenden Blau- und Orange-Tönen. "In Wirklichkeit war es ein eher hässlicher Plastikkorb", sagt Iacobs schmunzelnd.

Die meisten Inspirationen holt er sich eher aus der Natur. Landschaften, Stillleben und Figuren prägen sein Werk. "Einen Teil trage ich tatsächlich nach Hause, anderes in meiner Erinnerung. Aber ich könnte niemals einen Kühlschrank oder einen Rasierer malen. Das ist mir zu langweilig. Dagegen ein Granatapfel, der im Laufe der Zeit die Farbe seiner Kerne von leuchtendem Rot in tiefes Schwarz verändert, so etwas begeistert mich", sagt er. Der exotischen Frucht hat er ein Bild gewidmet, das auf der gynäkologischen Station zu sehen ist. Deren Leiter, Matthias Korrell, ist Pate der Ausstellung mit dem schlichten Namen "Malerei". "Als wir die Bilder aufgehängt haben, waren die Schwestern allerdings zunächst nicht so begeistert. Denn wir mussten dafür die wunderschönen Fotos der neugeborenen Babys abnehmen. Inzwischen mögen sie die Kunst als zeitlich begrenzte Alternative", sagt Kurator Wulf Aschenborn schmunzelnd. Auch das sei eine Form der Auseinandersetzung mit Kunst und die habe damit schon einen Teil ihres Zwecks erfüllt. "Meine Bilder wollen betrachtet werden. Dafür schaffe ich sie. Aber sie müssen nicht jedem gefallen. Ich will meine Psyche nicht anderen Menschen aufzwingen, sondern freue mich, wenn sich die Betrachter mit meinem Werk auseinandersetzen", sagt Ioan Iacobs.

Im Johanna-Etienne-Krankenhaus bietet sich dazu bis 14. Februar Gelegenheit. Die Ausstellung steht jedem offen und ist zu den Öffnungszeiten der Klinik zu sehen.

(dagi)
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