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Neuss
Laumann für Abschaffung des Pflege-TÜV

Neuss. Der 21. Neusser Pflegetreff war ein Plädoyer für eine größere Wertschätzung für Pflegeberufe. Von Susanne Niemöhlmann

Für eine Abschaffung des umstrittenen Pflege-TÜV bis Jahresende sowie eine verbesserte Ausbildung von Pflegekräften sprach sich jetzt Karl-Josef Laumann, Pflegebeauftragter der Bundesregierung, beim 21. Neusser Pflegetreff aus. "Ob man in Noten ausdrücken kann, was in guten Heimen passiert, bezweifle ich", begründete der CDU-Landespolitiker, warum er die von Beginn an kritisierte Heim-Benotung lieber durch einen ausführlichen Fragen-Katalog ersetzt sähe.

Schon vor der Tür des "Kontakt" Erfttal war Laumann ein gefragter Gesprächspartner, wurde sogleich von Mitgliedern der Aktion "Pflege am Boden" in Diskussionen verwickelt. Eine ihrer Forderungen, nämlich die "Pflege" an den (Verhandlungs-)Tisch zu holen und mehr mit als über sie zu reden, hatte der Organisator der Veranstaltungsreihe, Werner Schell, schon umgesetzt: Auf dem Podium traf Laumann auf eine fachkompetente Runde aus Politik und Praxis, klug moderiert von der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Regina Schmidt-Zadel.

Laumann warnte davor, parallel zu einem neuen Bewertungssystem für die Heimpflege auch noch einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff einzuführen - "damit überfordern wir das System", befürchtet er. Heftig kritisierte er angesichts des Pflegekräftemangels, dass angehende Altenpflegekräfte in sechs Bundesländern immer noch für ihre Ausbildung bezahlen müssten.

"Es tut sich was in der Pflege", zeigte sich Markus Leßmann vom NRW-Gesundheitsministerium zuversichtlich, sah aber auch das Problem, dass viele Pflegekräfte ihren Beruf frühzeitig aufgeben, "weil die Umstände nicht stimmen". So sei etwa der Personalschlüssel für Einrichtungen veraltet. "Pflege ist ein wichtiges Zukunftsthema. Leider sind wir damit noch nicht so weit wie beim Thema Kinderbetreuung", bedauerte Leßmann, der ausdrücklich den Rhein-Kreis lobte. Der hatte schon vor Jahrzehnten mit dem "Silbernen Plan" Vorgaben und Ziele der Seniorenarbeit formuliert.

Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates, wünscht sich, dass die Kanzlerin Pflegepolitik endlich zur Chefsache erklärt. Für eine faire Entlohnung statt unterschiedlicher Vergütungssysteme warb schließlich Helmut Wallrafen-Dreisow, Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach.

Quelle: NGZ
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