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Neuss
Lotte Sturms Lust am Zeichnen ist ungebrochen

Neuss. Die Künstlerin und frühere Museumspädagogin feiert morgen ihren 80. Geburtstag. Ihre neuen Arbeiten sind in Zons zu sehen.

Besser, man fragt sie nicht selbst. Eine Laudatio zu ihrem 80. Geburtstag? Muss doch nicht sein, wird sie antworten. Nicht aus Eitelkeit. Nein, wenn Lotte Sturm es eigentlich gar nicht so gerne hat, dass über sie persönlich geredet oder geschrieben wird, dann hängt das zum einen mit ihrer Bescheidenheit und zum anderen mit ihrer Leidenschaft, mit ihrem Können, zusammen.

Denn Lotte Sturm ist Künstlerin. und das ist ihr das Wichtigste. Heute ganz und gar, in früheren Zeiten hat sie unzähligen Neusser Kindern die Kunst nahegebracht, indem sie sie machen ließ. Mitten im Museum am Obertor, denn die Neusserin war die erste Museumspädagogin des Clemens-Sels-Museum. 25 Jahre hat sie dort gewirkt, zudem in zahlreichen Kursen an der VHS und im Edith-Stein-Haus ihre "Lust am Zeichnen" weitergegeben (und gewissermaßen nebenbei auch noch Bücher Illustriert).

Wer aber sehen will, was die quirlige Künstlerin auch heute noch nur mit dem Bleistift (gelegentlich kommt mal ein Radiergummi zum Einsatz) zuwege bringt, muss nach Zons fahren. Ins Kreismuseum, das noch bis zum 27. September 20 Arbeiten zeigt, die davon zeugen, das Lotte Sturm mal wieder zu neuen Ufern aufgebrochen ist. Auch wenn es bei diesem Sturm-typischen, zarten Strich bleibt und immer wunderbare Bleistiftgemälde herauskommen - selbst wenn sie wie nun in Zons "Lebendige Abstraktionen" zeigen. Denn dem Grundmotiv ihrer Bilderwelt, Gemüse und Obst, bleibt sie treu, zerlegt sie nur gewissermaßen mit feinem Stift bis in seine kleinsten Strukturen.

Aber es scheint, als ob sich die Künstlerin nun auf das konzentriert, was sie mag und was ihr wichtig ist. Die 20 Arbeiten im Kreismuseum Zons gehören zu ihren liebsten Bildern, sagt sie. Vor vier Jahren hat sie ihr "Lieblingsmärchen" mit dem Titel "Von der Königin, die keine Pfeffernüsse backen und vom König, der das Brummeisen nicht spielen konnte" illustriert und als Buch herausgebracht. Jahrzehntelang hat das Märchen sie schon begleitet, aber es brauchte eben den richtigen Zeitpunkt, es auch künstlerisch zu bearbeiten. Und auch den rein - und im Sinne des Wortes - figürlichen Motiven zeigt sich ihr genauer Blick, ihre Liebe zum Detail und ihr Humor genauso wie in ihren Pflanzenbildern.

Vor zwei Jahren hat sie ein Künstlerbuch herausgebracht, für das sie aus ihrem umfangreichen Werk jene 60 Blätter herausgesucht hat, die den Wandel in ihrer Kunst sinn- und augenfällig zeigen. Natürlich hat sie bei dem Projekt bis zur Auswahl des Papiers alles mitbestimmt - und kommentierte das selbst charmant-beschämt mit: "Ich war bestimmt keine einfache Kundin, habe dauernd reingeredet."

Lotte Sturm wurde in Wuppertal geboren. Seit 1963 lebt sie schon in Neuss, hat vier Kinder großgezogen und in ihrem Sohn Steffan, der Fotograf ist, auch einen Kunst-Verbündeten: Er fotografiert ihre Arbeiten für Buchveröffentlichungen, hat einen Film über die zeichnende Mutter für die Ausstellung in Zons gedreht.

Das Clemens-Sels-Museum nimmt den 80. Geburtstag seiner ersten Pädagogin zum Anlass, eine Podiumsdiskussion über das Thema "Kunst für alle - aber wie?" zu veranstalten. Museumsdirektorin Uta Husmeier-Schirlitz wird mit Gästen aus Wissenschaft und Praxis im Haus am Obertor diskutieren (24. September, 19 Uhr).

(hbm)
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