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Neuss
Makelloses Zusammenspiel von Countertenor und Instrumentalisten

Neuss. Es bewahrheitet sich immer wieder, dass wirklich große Künstler freundliche und bescheidene Menschen sind. Das konnten die Besucher beim Gastspiel des Countertenors Valer Sabadus und dem Ensemble "Nuovo Aspetto" im fast ausverkauften Zeughaus beglückt erleben. Der 29-jährige gebürtige Rumäne, der seit 1991 in Deutschland lebt, nahm sich auf ungemein sympathische Weise stets zurück und sorgte dafür, dass vor allem seine instrumentalen Mitstreiter, denen er selbst immer wieder applaudierte, gebührend gewürdigt wurden. Dabei hätte der betont leger in schwarzem Anzug und offenem Hemd auftretende Sänger allen Grund, selbstbewusster aufzutreten. Von Heide Oehmen

Sabadus behielt nach seinem recht spät eingetretenen Stimmwechsel die schlackenlose Sopranhöhe bei, mit der er bereits im Kinder-Kirchen-und Schulchor positiv aufgefallen war. Dieses Geschenk der Natur pflegte und vervollkommnete die Münchner Gesangsprofessorin Gabriele Fuchs, die immer noch seine Lehrerin ist, auf bewundernswerte Weise. Das Ergebnis ist ein völlig unangestrengter, makelloser und bis weit in die zweigestrichene Oktave reichender bruchloser und ganz ausgeglichener Gesang. Sowohl Alt-als auch Sopranarien weiß Sabadus mit höchster Stilsicherheit, mal natürlich fließend, mal mit unvermittelten Affekten oder reichen Verzierungen versehen, darzustellen.

Das Programm war unbekannten geistlichen und weltlichen Arien von Antonio Caldara(1670-1736) gewidmet, dazu kamen Beispiele des Caldara-Schülers Johann Georg Reuter (1708-1772).

Mit dem von Lautenisten Michael Dücker (der auch solistisch hervortrat) gegründeten "Nuovo Aspetto" hatte der Counter eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Alle elf Musiker zeigten dank außerordentlicher Kompetenz, wie einfühlsam sie der hohen vokalen Messlatte entsprechen.

Elisabeth Seitz als temperamentvolle Spielerin des Salterio (Hackbrett); Johanna Seitz an der Barockharfe; Monika Fischalek, die virtuos das Chalumeau, den Vorläufer der Klarinette, spielte; ein leider ungenannter, sehr versierter Traversflötenspieler; Markus Hoffmann, der mit wunderschönem Geigenton und hoher Musikalität anspruchsvolle Soli gestaltete; Corina Golomoz, deren Viola-Solo in einer "Sinfonia" aufhorchen ließ; Wiebke Weidanz als flinkfingrige, hellwache Cembalistin und Ulrike Becker, die den halsbrecherischen Cello-Solopart eines "Concerto per Camera" brillant meisterte. Die Geigerin Frauke Pöhl und Francesco Saviago am Kontrabass komplettierten das Ensemble.

Selbst bei den vom begeisterten Auditorium am Schluss vehement geforderten beiden Zugaben war es Valer Sabadus wichtig, alle seine Kollegen noch einmal einzubinden.

Quelle: NGZ
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