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Cornel Hüsch
"Mich wundert, wie zahm die CDU ist"

Neuss. Der Ex-Chef der Neusser CDU spricht über seinen Kandidaturverzicht, über Kampfbereitschaft und das "Problem Karrieren".

Herr Hüsch, Sie halten seit Wochen den Eindruck wach, dass Sie gern für den Landtag kandidieren würden ...

Cornel Hüsch Ich trete nicht an, obwohl mich die Aufgabe sehr reizt. Ich habe lange mit meiner Familie und meinen Freunden überlegt. Mich treibt der Gedanke um, dass Neuss im Landtag mit gutem Personal vertreten sein muss. Viele haben mich auch aufgefordert, für den Landtag zu kandidieren. Das alles habe ich sehr ernst genommen.

Warum treten Sie letztlich nicht an?

Hüsch Ich trage berufliche Verantwortung als Rechtsanwalt in unserer Kanzlei, die volle Kraft und Konzentration verlangt. Wer im Landtag ein guter Abgeordneter sein will, der muss sich dieser Aufgabe mit mehr Zeit stellen, als mir derzeit zur Verfügung steht.

Sie gehen einer Kampfabstimmung - Ausgang ungewiss - mit Parteichef Jörg Geerlings aus dem Weg?

Hüsch Wer mich kennt, der weiß, dass ich bereit bin, für meine Überzeugungen zu streiten. Eine Kampfabstimmung ist in der Demokratie normal. Darum geht es doch nicht.

Warum geht es denn dann?

Hüsch Es geht um unsere CDU, um Neuss und um das Land NRW. In der Diskussion um den Vorsitz in der Neusser CDU gab es berechtigte Kritik am Vorsitzenden und am Vorstand. In der Abstimmung wurde deutlich, dass große Teile der Partei nicht hinter dem Vorsitzenden stehen. Die Menschen mögen keine Politiker, die durch die Parteimühlen rundgeschliffen wurden. Die Menschen erwarten ehrliche und vertrauenswürdige Volksvertreter.

Was heißt das im konkreten Fall für die Neusser CDU?

Hüsch Die CDU ist in der Pflicht, einen Kandidaten aufzustellen, der den Erwartungen der Bevölkerung entspricht. Da muss sie sehr sorgfältig auswählen. Unsere politischen Gegner sind nicht in der CDU zu suchen, sondern die SPD-geführte Landesregierung und die AfD sind unsere politischen Gegner. Ich plädiere dafür, dass in der Neusser CDU endlich wieder Sachthemen die Hauptrolle spielen und nicht persönliche Karrieren.

Welchen Umgang mit der AfD empfehlen Sie?

Hüsch Zunächst müssen wir zu unseren eigenen Positionen stehen. Die CDU ist die Europapartei. Das müssen wir glaubhaft vertreten und Vertrauen zurückgewinnen. Gerade wir im Rheinland müssen ein starkes Bekenntnis zu Europa leben. Wir sollten nicht pauschal die Wähler der AfD verteufeln, sondern ihre Sorgen und Nöte ernsthaft prüfen.

Wenn Sie betonen, dass die Landesregierung der politische Gegner ist, dann spricht daraus, dass in Ihren Augen die CDU die rot-grüne Landesregierung zu wenig attackiert.

Hüsch Richtig. Es wundert mich, dass angesichts vieler offener Flanken, die CDU im Land, aber auch die Spitzen der CDU im Rhein-Kreis und in der Stadt Neuss so zahm sind. Ich habe den Verdacht, dass die Idee einer künftigen Großen Koalition in Düsseldorf und die damit verbundenen möglichen Regierungsämter schon jetzt die Flügel unserer CDU lähmt. Das darf nicht sein.

Was würden Sie anders machen?

Hüsch Diese Landesregierung hat den wirtschaftlichen Motor abgewürgt. Kein Bundesland hat ein schwächeres Wirtschaftswachstum als NRW. Wir müssen Druck machen, dass sich die Landesregierung endlich klar zur Industrie in NRW und auch zur Braunkohle im Rheinischen Revier sowie den Kraftwerken erklärt, anstatt ihr durchgehen zu lassen, dass sie über den Schutz für Lurche und Molche diskutiert. Das gleiche Ergebnis in der Bildungspolitik: Rot-Grün hat G8 gegen die Wand gefahren. Schulfrieden hin oder her. Eine Korrektur ist überfällig. Chaos auch beim Thema Sicherheit: Der Innenminister bestellt die falschen Polizeiautos, der Justizminister hat seinen Laden nicht im Griff. Inhaftierte brechen aus, Inhaftierte gefährden sich und andere. Die Silvesternacht in Köln entlarvt strukturelles Versagen auf Landesebene, obwohl die Polizei vor Ort in Köln alles versucht hat.

Glauben Sie wirklich, dass landespolitische Themen sich durch Impulse aus den Städten und Gemeinden grundlegend beeinflussen lassen?

Hüsch Ja, weil wir hier in Neuss den Wechsel einleiten müssen - argumentativ, kämpferisch und geschlossen. Ich sage: Bürgermeister Breuer ist nicht die Lösung, sondern er ist Teil des Problems. Er hat als damaliger Landtagsabgeordneter Mitschuld am Chaos in Düsseldorf. Nur wenn die CDU klare inhaltliche Positionen bezieht und die Schwachstellen von Rot-Grün ungeschminkt aufzeigt, besitzt sie eine Perspektive für die Landtags- und Bundestagswahlen im nächsten Jahr. Übrigens auch beim Kampf um den nächsten Bürgermeister, der bereits begonnen hat. Diese Kampfbereitschaft erwarte ich.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE LUDGER BATEN

Quelle: NGZ
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