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Neuss
Neues Frühwarnsystem im Kreißsaal

Neuss. Im Johanna-Etienne-Krankenhaus gibt es jetzt eine zentrale Überwachungsanlage, mit der Ärzte und Hebammen alle laufenden Aufzeichnungen der Herztöne des Kindes und der Wehentätigkeit gleichzeitig im Blick haben. Von Bärbel Broer

Für die Geburt ihres ersten Kindes haben sich Yvonne und Sven Willms bewusst für die Geburtshilfe im Johanna-Etienne-Krankenhaus (JEK) entschieden. Nach einer Sightseeing-Tour durch Kreißsäle verschiedener Kliniken stand für das Grevenbroicher Paar fest: "Die angenehme und familiäre Atmosphäre hat uns überzeugt." Die persönliche Betreuung von werdenden Müttern - aber auch Vätern - ist der leitenden Oberärztin der Geburtshilfe am JEK, Dr. Margret Albiez, besonders wichtig. Künftig haben sie und ihre Kollegen dafür noch mehr Zeit. Denn im Kreißsaal gibt es seit neuestem eine zentrale Cardiotococraphy-Überwachungsanlage (CTG). Damit können Ärzte und Hebammen alle laufenden Aufzeichnungen der Herztöne des Kindes und der Wehentätigkeit per Monitor gleichzeitig im Blick haben.

Bislang konnte im Kreißsaal nur direkt neben der Gebärenden das laufende CTG eingesehen werden. Jetzt gibt es in jedem der drei Kreißsäle einen Monitor, der alle bis zu sechs parallel laufenden CTG anonymisiert darstellt. Im Aufenthaltsraum hängt zudem ein riesiger 49-Zoll-Bildschirm, über den Hebammen und Ärzte alle aktiven CTG beobachten können.

Sobald irgendetwas auffällig ist, ertönt ein Alarmsignal und eine rote Lampe blinkt auf. "Dann können wir gemeinsam mit der Schwangeren besprechen, welche Maßnahmen notwendig sind, um mögliche Gefahren für das Kind abzuwenden", erklärt Albiez, die bereits rund 3000 Geburten begleitet hat. Im Notfall kann ein Kaiserschnitt erforderlich sein. Solange alles unauffällig ist, könne die Geburt spontan und natürlich abgewartet werden.

Während der Geburt ist ein CTG mittlerweile obligatorisch. "Meist wird bereits während der Schwangerschaft - sobald ein Kind als lebensfähig gilt - ungefähr ab der 28. Woche ein CTG gemacht. Pflicht ist es aber nicht", erklärt Albiez. Dazu werden der werdenden Mutter zwei Gurte um den Bauch gelegt. "Der obere Druckfühler zeichnet die Spannung der Bauchdecke auf. So wird die Wehentätigkeit der Mutter gemessen", so die Oberärztin. Der untere Gurt mit einem runden Schallkopf registriert per Doppler-Ultraschall die Herzfrequenz des Kindes. Da im JEK Kineto-CTG-Geräte stehen, ist es zudem möglich, die Bewegung des Kindes zu erfassen. Eine vierte Linie auf dem Monitor zeigt den Mutterpuls an. Etwa 800 Geburten pro Jahr gibt es am JEK.

Sowohl das CTG von Yvonne Willms als auch jene von zwei werdenden Müttern nebenan sind unauffällig. Dies registriert Albiez mit prüfendem Blick auf den Monitor und kann mit ihren Erklärungen fortfahren: "Die Grundfrequenz bei einem Baby liegt bei 110 bis 160 Herzschlägen pro Minute." Es kann aber Ausschläge nach oben oder unten geben, die längst keinen Anlass zur Sorge darstellen. Bewegt sich das Kind viel, steigt die Herzfrequenz, schläft es während des CTG, ist diese deutlich niedriger.

"Früher hat man mit dem Hörrohr die Herztöne abgehört. Ich wurde beispielsweise noch ohne CTG entbunden", sagt Albiez. Denn erst seit Ende der 1960er Jahre gibt es diese Technik, die seitdem immer mehr verbessert wurde. "Sie hilft uns, alle Patientinnen im Kreißsaal zu überwachen", sagt Albiez, die seit 24 Jahren am JEK arbeitet. "Und sie gibt uns die Ruhe, bei einer Gebärenden bleiben zu können und sie zu unterstützen, weil wir die anderen CTG gleichzeitig einsehen können."

Quelle: NGZ
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