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Neuss
Nordgren und Mozart im Zeughaus

Neuss. Die Deutsche Kammerakademie lässt Düsteres und Leichtes hören. Von Heide Oehmen

"Tänzerisch" war der Titel des vierten Abo-Konzerts der Deutschen Kammerakademie Neuss - doch auf das erste Werk an diesem Abend, das düstere "Concerto for strings op.54" von Pehr Henrik Nordgren passte der Titel nicht. Seine Musik, sagt der 1944 geborene Finne, drücke "Angst vor Krieg, Umweltkatastrophen oder einer Zukunft ohne Hoffnung aus". Zwar werden im zweiten Satz "Sorgen und Ängste einfach weggetanzt", doch schon bald mündet die kurze Aufhellung in ein "verspätetes Gebet", das in der Hoffnung endet, "dass der menschliche Leidenspfad doch eines Tages zu seinem Ende komme". Dieser Thematik stellten sich Lavard Skou Larsen und seine Kammerakademie mit spannungsgeladener Intensität und großem Ernst. Die an Arvo Pärt gemahnenden Klangschichtung, die sich reibenden Rhythmen, die zur verzweifelten Geste sich aufbäumenden Klanggewalten, das klagende Violinsolo (wunderbar einfühlsam: Konzertmeisterin Fenella Humphreys) und das sphärische Verklingen der Flageoletts - all das führte den Zuhörern im gut gefüllten Zeughaus die zum Greifen nahe Dramatik vor Augen und Ohren.

Überquellende Spielfreude bestimmte dagegen die abschließende "Sinfonie Nr.33 B-Dur KV 319", eine der weniger bekannten aus der Feder Wolfgang Amadeus Mozarts. Trotz sparsamer Besetzung - neben Streichern sind nur je zwei Oboen, Fagotte und Hörner vorgeschrieben - entfachten die äußerst motiviert zu Werke gehenden Akademisten - einschließlich ihrer Bläser-Gäste - ein durchsichtiges, dynamisch reich differenziertes, von Skou Larsen mit viel Temperament immer wieder angefachtes Klangfeuerwerk. Die Zuhörer dankten begeistert und freuten sich über eine feine Zugabe.

Selten gelingt das Miteinander von Solist und Orchester so optimal wie an diesem Abend mit dem Querflötisten Julien Beaudiment. Der 38-jährige Franzose, der neben auch Soloflötist im Orchestre de l'Opéra National de Lyon ist, huldigt denselben interpretatorischen Tugenden wie die Kammerakademie. Sowohl im Flötenkonzert C-Dur op.7 Nr.3 von Jean-Marie Leclair (1697-1764) als auch im Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo e-Moll des Böhmen Franz Benda (1709-1786) war dem intensiv in der Musik lebenden Solisten bereits in den jeweiligen Orchestervorspielen anzumerken, dass sie genau seinen Vorstellungen entsprachen. Entsprechend animiert gestaltete Beaudiment mit musikantischem Schwung, blühendem, weit ausschwingendem, biegsamem Ton und staunenswerter Brillanz in der technischen Umsetzung seine teils sehr anspruchsvollen Parts.

Der sympathische Flötist dankte nicht nur seinem Publikum mit einer Bach-Zugabe für den enthusiastischen Applaus, er verbeugte sich auch vor dem ihn ebenso feiernden Orchester, dankte der Konzertmeisterin mit einem galanten Handkuss und schenkte ihr seine Blumen.

Quelle: NGZ
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