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Neuss
Ruhestand ist die schwierigste Aufgabe

Neuss: Ruhestand ist die schwierigste Aufgabe
Rosula Hamacher (64), Lehrerin und Schulleiterin an der Martinus-Grundschule in Holzheim, wird heute offiziell verabschiedet. FOTO: Berns, Lothar (lber)
Neuss. Nach 42 Jahren im Lehrer- und Schulleiterberuf ist die Rektorin der Martinus-Schule Holzheim in Rente gegangen. Von Oliver Burwig

Es gibt sie noch oft, die Momente, in denen Rosula Hamacher der Gedanke kommt - Mensch, das könntest du im Unterricht verwenden. Doch dann erinnert sich die 64-Jährige daran, dass sie seit einem halben Jahr in Rente ist, die Zeit ihres Lehrer- und Schulleiterdaseins für immer vorbei. Knapp 42 Jahre unterrichtete sie Mathematik, Physik und katholische Religion, bildete Lehrer aus und war bis zu ihrem krankheitsbedingten Ruhestand Rektorin der Martinus-Schule Holzheim. Heute ist ihre feierliche Verabschiedung.

Blickt Hamacher zurück auf ihr Leben, dann gibt es nichts, was sie nicht genauso machen würde. Das war geprägt durch ihre Arbeit, die stets ihre größte Leidenschaft war. "Es hat mir immer Freude gemacht, mit Kindern zu arbeiten, zu sehen, wie sie die Ideen weiterentwickeln, die sie im Unterricht bekommen haben", sagt Hamacher.

Nach ihrem Studium in Neuss war sie mehrere Jahre Lehrerin an einer Mönchengladbacher Hauptschule. "Dort musste ich mich im Unterricht natürlich immer auf den Fußball beziehen." So machte sie die Tore vom Wochenende zur Mathematik-Aufgabe. "Dann waren die Schüler immer sehr gut mit dabei."

Wohl fühlte sie sich auch als Lehrerin und Ausbilderin auch an der Hauptschule in Tönisvorst, wo sie später arbeitete. "Da bin ich gar nicht gerne weggegangen", erinnert sich Hamacher. Doch nach einem besonders schneereichen Winter befürchtete ihr Mann, dass sie eines Tages auf der Fahrt von Neuss in den Norden steckenbleiben könnte. So fing sie 1980 an der Hauptschule Kleinenbroich an, einer Gemeinschaftsschule mit vielen türkischen Schülern. "Dort habe ich die volle Zeit gearbeitet, auch als mein Sohn geboren wurde", sagt Hamacher mit hörbarem Stolz. Die Entscheidung, sich 1984 als Konrektorin an der Martinus-Schule - damals noch "Katholische Grundschule Holzheim" - zu bewerben, hatte allerdings doch etwas mit ihrem Sohne zu tun. "Ich dachte: Da kann ich ihn vielleicht später mitnehmen", sagt Hamacher mit einem verschmitzten Lächeln. So kam es dann auch, sie wurde als Konrektorin angenommen und 2004 Rektorin der Schule.

Vieles, was heute an der Martinus-Schule selbstverständlich erscheint, trägt die Handschrift Hamachers: Vom 2007 sanierten Altbau des Schulgebäudes über die 2005 eingeführte Ganztagsbetreuung bis zum projektorientierten Unterricht an der Grundschule, dessen Themen auch in der Nachmittagsbetreuung aufgegriffen werden. Für so manches davon habe die Rektorin "hart gekämpft", doch auch die Eltern und ihr Kollegium machten die Schule zu dem, was sie heute ist. "Ich habe das Gefühl, die Arbeit in gute Hände abgegeben zu haben", sagt die Rentnerin.

Die größte Herausforderung ist für die im November vergangenen Jahres pensionierte Lehrerin und Schulleiterin der Ruhestand. "Daran habe ich mich noch immer nicht gewöhnt." Sie habe nun Zeit für Bücher - am liebsten mit psychologischem oder philosophischem Tiefgang -, ihre alte Geige und noch ein anderes Projekt: "Ich bin bald Hundebesitzerin." Ihre Arbeit wird sie wohl selbst beim Spaziergang mit dem wenige Wochen alten West-Highland-Terrier nie ganz hinter sich lassen: "Die Schüler freuen sich immer, wenn sie mich sehen."

Quelle: NGZ
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