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Neuss
Shakespeares Richard III. und der Fluch der hasserfüllten Frauen

Neuss. Was kann man über den buckeligen und tyrannischen Richard III., die Titelfigur in Shakespeares Drama, erzählen, was nicht schon auf irgendeiner Bühne erzählt worden ist? "Das habe ich mich auch gefragt", sagt Bettina Jahnke schmunzelnd. Und so hat sie für ihre Inszenierung, mit deren Premiere sie die aktuelle Saison des RLT beendet, nach einem anderen Zugang gesucht - und ist bei den Frauen des Stücks gelandet, die auf der Personenliste in der Regel ganz unten stehen.

Jahnke rückt zwei von ihnen in den Fokus: Margaret, die Witwe von Heinrich VI., und Elisabeth, die Witwe von Edward IV.. Beide gehören zu den großen Gegenspielern Richards, erscheinen aber im Gegensatz zu den männlichen Figuren verhältnismäßig wenig auf der Bühne. "Ich wollte das Drama nicht als Ein-Mann-Show", sagt Jahnke, "nicht wieder den Bösewicht in den Mittelpunkt stellen, sondern sehen, welche Auswirkungen ein Schurke auf andere hat."

Margarets Hass auf Richard ist noch größer als der von Elisabeth, ihr Fluch liegt über dem ganzen Geschehen, jeder, der von Richard getötet wird, erinnert sich an die prophetischen Worte Margarets. Ihre Themen seien das Verfluchen, das Klagen und das Trauern, sagt Jahnke und sieht darin Parallelen zu den drei Hexen in "Macbeth", auch wenn diese viel archaischer gezeichnet seien. Gleichwohl: Auch Margaret wird wegen ihrer Art als Hexe bezeichnet.

"Richard hat die Macht, aber die Frauen haben anderen Waffen", erklärt Jahnke und setzt dem Reden der Männerwelt, "deren hoher Diplomatie", mit Hilfe ihres Musikers Bojan Vuletic "Ruhe, Musik und Töne" der Frauen entgegen. Wobei sich beide Welten aufeinander zubewegen und in der Szene zwischen Elisabeth und Richard zusammenfließen. "Meistens wird die Szene recht kurz gehalten", sagt Jahnke, "wir haben sie deutlich verlängert." Der Neusser Richard werde am Ende auch nicht in eine Schlacht aufs Feld geschickt, "sondern wir lassen ihn über seine eigene Hybris stolpern." Mit anderen Worten: Die Schlacht tobt in ihm selbst.

Alfons Philipp Heitmann spielt Richard, Ulrike Knobloch die Margaret, und Katharina Dalichau ist Elisabeth. Bühne (Iris Kraft) und Kostüme (Yvonne Theodora Storm) seien in Schwarz gehalten, und um dafür die richtige Beleuchtung hinzubekommen, hat Jahnke sogar die Scheinwerfer auswechseln lassen. "Der schwarze Raum, in dem keiner gut sehen kann, steht auch dafür, dass da niemand weiß, ob er dem anderen über den Weg trauen kann", erklärt die Regisseurin den Gedanken dahinter.

Das überaus umfangreiche Personal des Dramas hat sie mit Chefdramaturg Reinar Ortmann auf Vertreter der einzelnen Gruppierungen eingedampft. "Für den Zuschauer ist es wichtig, dass die Verflechtungen transparent gehalten werden", sagt Ortmann, "deswegen haben wir in den Text schon eine Schneise geschlagen." Gespielt wird die Fassung von Thomas Brasch.

Info Oberstraße 95. Freitag, 13. Mai, 20 Uhr, Premiere, 02131 269933

(hbm)
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