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Neuss
Stadt muss Millionen in die Kläranlagen investieren

Neuss: Stadt muss Millionen in die Kläranlagen investieren
Die Kläranlage Neuss-Süd, wo Abwassermeisterin Nicole Aschmoneit arbeitet, hat ein Problem: Phosphor im geklärten Wasser. FOTO: woi
Neuss. Weil das Wasserrecht für die Kläranlage Neuss-Süd abläuft, hat eine Anlage zur Phosphor-Eliminierung dort höchste Priorität. Von Christoph Kleinau

Die Belastung der Abwässer mit Phosphor aber auch mit Mikroschadstoffen wie etwa Medikamentenresten wird zunehmend zu einem Problem. Auch für die Gebührenzahler. Denn die Kläranlagen Neuss-Ost (im Hammfeld) und Neuss-Süd (nördlich von Weckhoven) müssen technisch nachgerüstet werden. Ein Aber-Millionen-Euro-Programm.

Besonders dringlich ist das Problem im Klärwerk Süd, weil dort das Wasserrecht und damit die Genehmigung zur Einleitung des geklärten Wassers in die Erft zum Jahresende - nachdem es schon einmal verlängert werden konnte - ausläuft. Das Problem ergibt sich nicht so sehr daraus, dass die Schadstofffrachten, die in der Anlage ankommen, besonders groß sind, erklärt Johannes Steinhauer von der Infrastruktur Neuss (ISN), sondern aus der immer geringer werdenden Wassermenge der Erft. Damit sinkt der "Verdünnungsfaktor". Grund: Der RWE-Konzern reduziert bis 2045 schrittweise die Einleitung von Sümpfungswässern aus dem Braunkohletagebau auf Null.

Um die Grenzwerte beim Phosphor auch künftig sicher einhalten zu können, muss der Phosphor-Rest im Wasser von derzeit 50 Milligramm je Liter auf 25 halbiert werden. Dazu muss in der Kläranlage Süd die Phosphor-Eliminierung verbessert werden. Das verlangt Investitionen in ein Nachklärbecken, um die Verweilzeit des Abwassers in der Anlage zu verlängern, sowie in die Filtertechnik.

Fachlich gibt es dazu mehrere Optionen. Um zur besten Lösung zu kommen, soll daher jetzt in einem ersten Schritt ein Wettbewerb für Ingenieurbüros ausgeschrieben werden. Der Genehmigungsantrag soll bis zum Jahresende fertig sein. Damit wäre nach Steinhauers Darstellung die wichtigste Voraussetzung zur Verlängerung des Wasserrechtes erfüllt. Wird dieser Termin eingehalten, kann 2018 mit dem Bau begonnen werden. Bis zur Inbetriebnahme würden noch einmal zwei Jahre ins Land gehen, schätzt Steinhauer. Die Finanzierung ist gesichert, weil der Verwaltungsrat den Vorjahresgewinn in Höhe von 4,8 Millionen Euro für diesen Zweck zurücklegt.

Deutlich teurer würde der Bau einer vierten Klärstufe in beiden Anlagen. Elf Millionen Euro im Klärwerk Süd und 14 bis 15 für "Ost" schätzt Steinhauer über den Daumen. Dieser weitere Prozessschritt hat die Mikroschadstoff-Eliminierung zum Ziel, er wird aber noch nicht angegangen. Grund: Die Landesregierung muss im Landeswassergesetz erst einmal neue Grenzwerte für 60 Spurenstoffe festsetzen und klären, was die sechs bis acht "Leitstoffe" sind, auf die besonders zu achten sein soll. Immerhin: Was drin ist im Wasser, hat die ISN in einem Versuch zum Ausfiltern von Medikamentenresten in Ost ermittelt. Gewartet wird auch, um die vierte Klärstufe passgenau auf die Leitstoffe abstimmen zu können.

Die im Wasserhaushaltsgesetz des Bundes würden insgesamt eingehalten, betont Steinhauer. "Wir sind in der Regel deutlich besser." Das wiedereingeleitete Wasser der Klärwerke habe nicht Lebensmittelqualität, sei aber nahe dran. Steinhauer: "Ich würde das trinken."

Quelle: NGZ
 
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