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Neuss
Tierbilder wie aus einem Kinderbuch

Neuss: Tierbilder wie aus einem Kinderbuch
FOTO: CSM
Neuss. Das Feld-Haus, die Dependance des Clemens-Sels-Museum auf der Raketenstation, zeigt in einer neuen Ausstellung Tierdarstellungen aus dem 19. Jahrhundert. Der Titel der Schau ist hingegen ganz modern: "hundkatzemaus". Von Helga Bittner

Ein bisschen menschlich sehen sie aus, die Orang Utangs, die so friedlich in den Bäumen hocken und offensichtlich nur Nettes im Sinn haben. Wie für ein Kinderbilderbuch gemacht - und so weit weg davon ist auch nicht, was in der neuen Ausstellung "hundkatzemaus" im Feld-Haus gezeigt wird. Kurator Ulf Sölter hat für die Dependance des Clemens-Sels-Museum die Sammlung der Populären Druckgrafik nach Tierdarstellungen durchforstet und - wieder einmal - eine so große Auswahl gehabt, dass er sich für die Ausstellung bescheiden musste. Rund 200 Blätter hatte er zunächst ausgesucht, sagt er, 70 dann nur hängen können.

Aber diese 70 geben einen sehr schönen Einblick in die Vorstellung von der Tierwelt im 19. Jahrhundert. Nicht nur an den Namen unter manchen Bildern ("Orang-Outang") lässt sich das Exotisch-Fremde ablesen. Auch die Ausführung, das Hineinlegen von menschlichen Verhaltensweisen in den Hund oder eben den Affen lassen eine manchmal süßliche Interpretation der Künstler, die im Auftrag für die großen Bilderbogen-Verlage wie Jos. Scholz in Mainz oder A. Felgner in Berlin gearbeitet haben, erkennen.

Im Fokus vieler Abbildungen steht der Hund. Der Titel eines Bilderreigens mit dem Hund als Freund und Retter (eines Kindes aus dem Wasser), "Mein treuer Gefährte", kennzeichnet auch vielfach die Einstellung zu dem Vierbeiner. Ihm werden dann menschliche Eigenschaften zugesprochen und auch ebensolche Züge gegeben. In anderen Fällen sind sie Anlass zur Erheiterung: Dem rennenden Hund mit dem geklauten Würstchen im Maul fliegt der von unsichtbarer Hand geworfene Knüppel hinterher. "Der Hund", so sagt es Sölter, "ist schon immer beliebt gewesen. Katzen dagegen waren es weniger." Gleichwohl wird in der Schau auch ein Blatt mit einem majestätisch sitzenden Stubentiger gezeigt.Auch der Symbolcharakter der Tiere kommt nicht zu kurz - etwa in Verbindung mit religiösen Figuren.

"Possierlich, unterhaltsam, lehrreich" - diese drei Adjektive charakterisieren laut Sölter die Funktion der Tierdarstellungen im 19. Jahrhundert. Possierlich sind etwa die kleinen hübschen und sogar kolorierten Springmäuse, unterhaltsam die Bilder-Geschichten vom Hund oder die Ausschnittbogen mit Bauernhof-Tieren und lehrreich die Bogen mit Schmetterlingen oder Meerstieren, die auch Bestandteil damals gebräuchlicher Enzyklopädien waren. Die Darstellungen beziehen sich gerne auf das eigene Umfeld - Pferde sind Reit- oder Lasttiere, Schafe das i-Tüpfelchen für die idyllische Landschaft mit Hirte -, aber der Blick in die Ferne brachte auch Exoten ins Haus. Zu einem Tableau mit zwölf Bildern hat Sölter realitätsgetreue Darstellungen von Löwe, Hyäne, Kudu oder Yack gehängt. Und sie strahlen aus, was den heimischen Tieren zumeist verwehrt wird: eine Art Wildheit.

Manches macht staunen in dieser Schau, manches kommt einem bekannt vor (etwa aus alten Märchenbüchern), und vieles lässt schmunzeln. In der Schublade einer Vitrine liegt zum Beispiel ein Bogen mit kleinen Geschichten zu "gefoppten Tieren", deren Ausführung irgendwie an Wilhelm Busch erinnert. Was nicht wundert, denn auch Busch hat für den Verlag gezeichnet. Auch Tiere ("Die wunderbare Bärenjagd", "Die beiden Enten und der Frosch" oder "Die Rache des Elephanten").

Quelle: NGZ
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