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Neuss
Wie aus Bettler Hobo ein Robin Hood wird

Neuss. Mit seinem eigenen Stück "1:0 für Robin Hood" für das RLT ist Sebastian Zarzutzki ein fantasievoller Spaß für Kinder und Erwachsene gelungen. Von Dagmar Kann-Coomann

Hobo ist hungrig, sehr sogar. Und Herr Klapke hat eine ganze Dose mit Keksen. Das Problem ist nur: Die gehören Herrn Klapke und nicht Hobo. Warum sollte Herr Klapker welche abgeben? Für Kekse muss man schließlich arbeiten. Büroklammern nach Farbe und Größe sortieren zum Beispiel. Oder Geschichten erzählen? Das kann Hobo sehr gut. Besonders seine Lieblingsgeschichte von Robin Hood.

Ein wunderbares Kinderstück, an dem schon die Kleinsten ihre helle Freude haben und aus dem Glucksen und Lachen fast eine ganze Stunde lang kaum herauskommen, ist Sebastian Zarzutzki mit seinem ersten Kinderstück "1:0 für Robin Hood" gelungen. Im Studio des Rheinischen Landestheaters hatte es seine Uraufführung.

Wenn aus dem ärmlichen Bettler Hobo der Held vom Sherwood-Wald wird, aus einem schäbigen Wartehäuschen ein dichter Wald voller Abenteuer, und Krone, Ritterhelm, ja sogar Robins Geliebte Marian im Nu aus den Dingen im Papierkorb entstehen - dann ist das eine unwiderstehliche Verführung zu Spiel und Fantasie. Denn Zarzutzki leitet seine kindlichen Zuschauer nachgerade dazu an, sich ihrer eigenen Fantasie zu bedienen. Dabei ist es vor allem ein wunderbarer Spaß, wenn Hobo statt in die erträumte Pizza plötzlich in eine Socke beißt, aus der flugs Katze, Hund oder Ente, schließlich mit einem ausrangierten Wischmob als Haarschopf die quicklebendige Marian werden.

Pablo Guaneme Pinilla ist ein wunderbar wandlungsfähiger Hobo, erzählt die Geschichte mit endloser Geschmeidigkeit, zieht mit Charme und Spielfreude, mit pantomimischen Fähigkeiten und grandiosem Gespür für seine sehr jungen Zuschauer alle Register der Komik.

Diesem mitreißend freundlichen Clown voller herrlich lustiger Einfälle steht mit Josia Krug als Herr Klapke ein wunderbarer Konterpart zur Seite. Ein Skeptiker und Keksdosenhüter, der gefoppt und immer wieder reingelegt wird, dass es eine helle Freude ist.

Jule Dohrn-van-Rossum hat ein tolles, wandelbares Bühnenbild geschaffen, in dem sich das abgehalfterte Wartehäuschen mit wenigen Griffen in den dichten, düsteren Wald von Sherwood verwandelt, ein Bühnenbild, das die Fantasie ermuntert, ohne all zu viel vorzugeben. Eine wundervolle Idee ist es, den Kern der Robin-Hood-Geschichte in gebundener Sprache zu erzählen und sie damit überschaubar und eingängig für die Kleinen zu machen, denen diese Form durch Kinderlieder und Spielreime schon früh vertraut sind.

Und wenn Robin gegen den bösen König kämpft, macht er das mit einem so schönen Besenstielkampf, mit miauendem Kung-Fu-Getöse, wie die Kinder selbst es tun würden. Ein herrlicher Spaß ist Zarzutzki und seinem Team da gelungen, kindgerecht, lustig, mitreißend und eine unwiderstehliche Verführung zur Fantasie, der auch die erwachsenen Begleiter keine Sekunde widerstehen können. Und natürlich zum Kekse essen. Denn die teilen sich Hobo und Herr Klapke am Ende sehr einträchtig.

Quelle: NGZ
 
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