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Neuss
Wie Kunst einen Raum verändern kann

Neuss: Wie Kunst einen Raum verändern kann
Künstlerin Jennifer López Ayala und Initiatorin Beate Düsterberg in der Schau mit Arbeiten von Andreas Schmitten, David Czupryn und López. FOTO: J. López Ayala
Neuss. Jennifer López Ayala, Andreas Schmitten und David Czupryn stellen neue Arbeiten auf Schloss Reuschenberg aus Von Helga Bittner

Der Auszeichnung folgt die Ausstellung, passenderweise unter dem Motto "Awarded". Denn Jennifer López Ayala, Andreas Schmitten und David Czupryn sind die ersten Träger des "Kunstball Art Award", den Beate Düsterberg im Namen ihrer Kunstinitiative "Wurzeln und Flügel" vor gut zwei Wochen verliehen hat. Auf Schloss Reuschenberg (in dessen Nachbarschaft Andreas Schmitten auch sein Atelier hat) zeigen die drei Künstler nun teilweise neue Arbeiten und damit auch, dass ihnen vor allem eines gemeinsam ist: das Spiel mit dem Raum.

López Ayala arbeitet schon seit längerem mit gebrochenen Eierschalen, bleibt dem Material treu. Doch sie narrt die Wahrnehmung des Betrachters, indem sie die gebrochenen Eierschalen zwar Stück für Stück, aber in unterschiedlichen Größen aneinanderfügt. Nicht kreuz und quer, sondern in Bahnen, mittendrin oder am Rand, so dass das Auge irritiert reagiert und der Kopf sich fragt: War da nicht gerade eine Bewegung?

Verunsichert reagiert das Auge auch beim Anblick ihrer Fotoarbeiten. Auch deren Motiv sind die Eierschal-Körper, aber gescannt, so dass jeder Schatten, jede zackige Kante an ein dreidimensionales Werk glauben lässt. Vor allem aus der Entfernung ist die Augentäuschung perfekt ist. Den Boden lässt die Künstlerin dieses Mal frei, hat für die Räume Arbeiten geschaffen, die ihren Platz an der Wand finden. Diese ist Teil des Kunstwerks, schwarz gestrichen, was den Kontrast zu dem konzentrischen Kreis, zum Halbrund, das sich über die Fußleiste erhebt, noch erhöht.

Mit der Augentäuschung (oder Trompe l'oeil) hat es auch der Maler David Czupryn. Ob Holz oder Marmor, Werkzeug oder sonstige Gerätschaften - bis ins Detail genau sind sie allein mit dem Pinsel aufgetragen, aber wirken, als ob man sie in de Hand nehmen könnte. Czuypryns illusionistische Malerei spielt dem Auge einen realen Raum vor, in dem Dinge zu schweben scheinen, die aus einem Traum kommen könnten. Seine surrealen Szenen setzen eine Gefühlsmischung aus Schauder und Geborgenheit frei, denn die poppigen Farben erinnern an Kinderspielzeug.

Ganz real kann dagegen Andreas Schmitten den Raum verändern. Er arbeitet viel mit Kunststoff, formt daraus eine Installation, die rosa leuchtend wie eine Vitrine den Außenraum für die darin befindliche Plastiken abgibt: nicht einfach zu enträtseln, aber auch nicht einfach, sie loszulassen. Sinnbildlicher geht es auf seinen Zeichnungen zu. Manche lesen sich fast wie Anleitungen: Wie der Kopf gegen ein iPad auszutauschen ist oder zu einer Tackermaschine wird. Schaurig schön und von unglaublicher Präzision.

Info Gerhard-Hoehme-Allee, bis Dezember, Besichtigung immer mittwochs nach Anmeldung unter 0213 4053580

Quelle: NGZ
 
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