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Margarete Albiez
"Zu helfen bedeutet mir sehr viel"

Margarete Albiez: "Zu helfen bedeutet mir sehr viel"
Margarete Albiez ist Oberärztin der Frauenklinik im Johanna-Etienne-Krankenhaus und engagiert sich unter anderem bei "Neuss hilft Burundi". FOTO: WOI
Neuss. Die Ärztin spricht über die Neusser Hilfe für Burundi, ihre Arbeit im Kreißsaal und die Einzigartigkeit jeder Geburt.

Frau Albiez, wir haben uns hier an der Langen Foundation getroffen. Warum ist dieser Ort für Sie so besonders?

Margarete Albiez Die Langen Foundation ist für mich ein magischer Ort. Ein Ort, der losgelöst ist von meinem oft turbulenten beruflichen Alltag. Wenn ich auf der Bank vor dem Eingang sitze und mir die Sonne ins Gesicht scheint, fällt aller Druck von mir ab. Außerdem ist die Architektur großartig. Sie strahlt Ruhe aus, was mir gut tut. Wenn ich mit meinem Mann hier bin, können wir die Zeit vergessen.

Was fasziniert Sie an diesem Ort?

Albiez Die Architektur. Sie erinnert mich an ein Kloster. Der Gang durchs Museum gleicht einem Pilgerweg. Mir scheint, dass Tadeo Ando der Weg durch seinen Bau wichtig war. Diesen hat er inszeniert und erst in zweiter Linie ein Museum gebaut. Diesen Weg genieße ich bewusst.

Sie haben aber auch den Kreißsaal im Johanna-Etienne-Krankenhaus als ihren Lieblingsort benannt - ihr Arbeitsplatz als Oberärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Warum?

Albiez Ich arbeite seit über 22 Jahren im Kreißsaal mit den jungen Familien. Jede Geburt ist anders und beglückt mich immer wieder. Fast wie am ersten Tag.

Wie viele Babys haben Sie in diesem Jahr auf die Welt geholt?

Albiez Es waren schon fast 200 in diesem Jahr. Doch habe ich sie nicht geholt, sie sind gekommen. Medizinisch passiert eigentlich immer dasselbe, trotzdem ist jede Geburt einzigartig. Die ersten Kinder, bei deren Geburt ich dabei war, haben mittlerweile selbst Kinder in unserem Haus bekommen. Die meisten Geburten verlaufen mit viel Geduld und positiver Unterstützung natürlich, aber wenn etwas Besonderes auftritt, müssen wir schnell eingreifen können. Deshalb habe ich bei der Arbeit immer einen Grund-Adrenalinspiegel. Vielleicht brauche ich deshalb die Ruhe an Orten wie der Langen Foundation.

Sie haben in einem Beitrag einmal geschrieben, jedes Kind sei ein kostbares Geschenk. In Neuss haben viele Eltern aber Probleme, mit diesem Geschenk umzugehen. Ärgert Sie die hohe Zahl von Inobhutnahmen?

Albiez Manche Menschen rutschen durch ihre eigene Geschichte in eine Situation, in der sie vom Leben überfordert sind. Für mich ist es Ansporn, das früh zu erkennen und Hilfe zu organisieren. Wenn wir den Müttern und Familien Selbstvertrauen vermitteln und die Zukunft zu stabilisieren helfen, dann helfen wir den Kindern.

In Deutschland kämpfen Homosexuelle um das Recht, Eltern werden zu dürfen. Die Neusser Axel und Jürgen Haase sind offiziell Eltern ihrer Kinder.

Albiez Ich finde das völlig in Ordnung. Wir haben im Kreißsaal auch lesbische Paare, die ein Kind bekommen. Ich finde es wichtig, dass die Gesellschaft nach vorne in eine moderne zeitgemäße Welt schaut und alte Zöpfe abschneidet.

Was lieben Sie an Neuss?

Albiez Im Winterhalbjahr sind für mich die Neusser Tanzwochen ein Highlight. Seit vielen Jahren haben mein Mann und ich ein Abo. Im Sommer genießen wir gerne die Biergärten im Rhein-Kreis. Außerdem gibt es einige wunderbare Restaurants.

Sie engagieren sich für die Neusser Burundi-Hilfe und waren in diesem Jahr zum ersten Mal vor Ort.

Albiez Als Teil einer Delegation der St. Augustinus-Kliniken war ich gemeinsam mit dem Vorsitzenden Paul Neuhäuser auf einer Evaluationsreise vor Ort. Dort informierten wir uns, wie wir das Engagement für Burundi fortführen können. Während des Aufenthalts habe ich Frauen im Krankenhaus in Gihanga behandelt, das hat mich tief beeindruckt. In einem Raum von 20 Quadratmetern stehen drei Geburtsbetten, dort kommen 1750 Kinder im Jahr zur Welt. Im Durchschnitt bekommt eine Frau in Burundi sechs Kinder. Die Gefahr, bei der Geburt zu sterben, wird immer größer. Auch die Kindersterblichkeit ist hoch. Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Es gibt dort gute Ärzte und Pflegekräfte, aber kaum Ausstattung. Deshalb sammeln wir. Zu dem Gerätetransport organisieren wir ein Team, das die Geräte auch erklärt.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich das Engagement?

Albiez Es bedeutet mir sehr viel. Ich reise bewusst in Länder, die unsere Unterstützung brauchen. Ich war als Ärztin neben Burundi zweimal in Kalkutta und einmal in Kenia im Einsatz. Das will ich intensivieren. Ich bekomme dabei einen tiefen Einblick in das Land und in das Leben der Bewohner.

Prominente, die helfen wollen, ernten oft Kritik. Gerade war es Til Schweiger, im Winter die Toten Hosen. Was ist da los?

Albiez Ich weiß es nicht und kann es auch nicht verstehen. Kritisieren ist einfach, etwas zu bewegen schwer. Wer prominent ist und bereit ist anzupacken, hat viel positiven Einfluss, im besten Fall ist er Vorbild. Diese positiven Vorbilder braucht unsere Gesellschaft.

ANDREAS GRUHN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: NGZ
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