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Neuss
Zurück in die "Fünfziger"

Neuss. Im Kulturforum "Alte Post" feierte am Freitagabend das Gesangstück "Wirtschaftswunderwelt" Premiere. Jung und Alt konnten die Musikgeschichte der jungen BRD hautnah miterleben. Von Philpp Schlüter

Rechts neben mir sitzt eine betagte Dame, die den Refrain von Tony Marshalls "Anneliese" mitsingt und deren Fuß im Takt dazu wippt. So sieht Nostalgie aus, die ansteckt. Hans Ennen-Köffers, Leiter der "Alten Post", führte Regie und zeigte mit seiner Umsetzung der Revue "Wirtschaftswunderwelt" , dass man die Schlager aus den der noch jungen Bundesrepublik auch heute durchaus noch bringen kann. In ihnen ist ein Geist konserviert, der allen Generationen Lust auf das Leben macht.

Die vom amerikanischen Lebensmotto "Was kostet die Welt?" geprägten Ohrwürmer, die vom Ensemble des Kulturforums "Aöte Post" in die Jetztzeit eines Aprilabends im frühen 21. Jahrhundert gesungen wurden, wirken nach. Besonders Catarina Valentes "Tipitipitipso, beim Calipso ist dann alles wieder gut" klingt noch einige Tage später in den Ohren.

In der Retrospektive kann die Musik einer Erden-Dekade viel über den zu dieser Periode herrschenden Zeitgeist verraten. Klar, denn die Folgen des Marshallplans - Deutschlands "Wirtschaftswunder" - sind in dieser Zeit nicht zu unterschätzen. Wenn Wohlstand und Inhalt der Geldbörse nach Krieg und Hunger wachsen, dann weiten sich die Herzen der Menschen. Dann hofft man wieder - und was davor an Schlimmem war, wird für einen kurzen Augenblick vergessen.

Zu Beginn der so betitelten "Schlagerrevue durch das Deutschland der 50er Jahre" prasseln Pfeiftöne fallender Bomben und Explosionsgrollen auf das Publikum ein. Die "Stunde Null" war gekommen. Singend und dabei auf der Stelle marschierend, laden die Darsteller Birgit Meyer, Manuela Seibald, Inken Loose, Nina Offer, Ramin Haijat, Anton Lesseur, Alexander Peters und Christian David Kirchhof mit dem ersten Lied, in dem es heißt "Wir ham` ja den Kopf noch fest auf dem Hals", dazu ein, das junge Nachkriegsdeutschland kennenzulernen. Die Nachkriegs-Tristesse ist schnell weggewischt und wird durch den Sehnsuchtsort Italien, durch Schlagermusik und die BMW Isetta ersetzt. Die vier Sängerinnen des Ensembles tragen bunte Rockabilly-Kleider, Nierentische stehen links und rechts der Bühne. Alles passt, choreographisch wie auch gesanglich überzeugt das Stück. Das Beste daran: Die Darsteller auf der Bühne sind mit Herz und Stimmband ganz bei der Sache.

Die ältere Generation unserer Tage wuchs mit Liedern wie "Komm` ein bißchen mit nach Italien" oder "Der Itsibitsiteenieweeniehonolulustrandbikini" in ihrer Jugend auf. Wie sehr man einige Lieder mit einer bestimmten Zeit seines Lebens verbindet, kennt wohl jeder. Wenn man nun bedenkt, dass Oma und Opa damals selbst jung waren, dann versteht man auch, warum sie beim Hören der leicht eingängigen Melodien ins Schwärmen geraten können.

Info Weitere Aufführungen der Revue finden am 15., 22., 27. und 29.n April jeweils um 20.00 Uhr statt.

Quelle: NGZ
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