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Radevormwald
37 Jubilare in zwei Kirchengemeinden

Radevormwald: 37 Jubilare in zwei Kirchengemeinden
Für die reformierte Gemeinde ist der Kontakt zu ehemaligen Mitgliedern immer sehr wichtig. 16 von ihnen kamen am Sonntag zur Jubel- und Goldkonfirmation. FOTO: moll
Radevormwald. Die Lutherische- und die Reformierte Gemeinde luden am Wochenende zu Gold- und Jubelkonfirmationen ein. Dabei ist es nie so ganz einfach, auch wirklich alle Jubilare ausfindig zu machen. Nach den Gottesdiensten gab's einen Empfang. Von N Cristina Segovia Buendia

In der Lutherischen Kirchengemeinde feierten am Sonntag 21 Gold- und Jubelkonfirmanden ein herzliches Wiedersehen: Einfach, sagte Pfarrerin Manuela Melzer, sei es nicht gewesen, die Jubilare ausfindig zu machen. Diejenigen, die eine Einladung erhielten und ihr folgten, freuten sich, alte Weggefährte wiederzusehen.

Die weiteste Anreise nahm Manfred Fußangel auf sich. Er kam aus dem rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr in die alte Heimat. "Mir war es sehr wichtig, heute hier zu sein", sagte der 75-Jährige, der 1957 gefirmt wurde und in diesem Jahr seine Diamant-Konfirmation feiert. "Vor zehn Jahren, zur Goldkonfirmation, erhielt ich beispielsweise keine Einladung, was ich sehr schade fand", sagte er. Regelmäßig, zwei Mal im Jahr, besucht er seine Familie in Radevormwald und wandte sich bei einer dieser Gelegenheiten an die Gemeinde. Dieses Jahr klappte es, und Fußangel ließ sich das Fest nicht entgehen.

Im Foyer des Wartburghauses trafen sich die Jubilare der Lutherischen Kirchengemeinde. Zuvor hatten sie in der Kirche Gottesdienst gefeiert. FOTO: jürgen moll

Nach dem Gottesdienst in der Kirche an der Burgstraße ging es ins Wartburghaus, wo die Jubilare im Foyer gemeinsam zu Mittag aßen und Gelegenheit bekamen, sich auszutauschen. "Am Anfang war es schon schwierig, die Leute zuzuordnen, aber dann kamen schnell wieder die Erinnerungen hoch", sagte Fußangel, der als Jugendlicher versuchte hatte, sich vorm Konfirmandenunterricht zu drücken, oder beim Gottesdienst am Sonntag schummelte. "Da ich direkt an der Kirche wohnte, schlich ich mich erst beim Schlussläuten in die Kirche und unterschrieb auf der Anwesenheitsliste", sagte der 75-Jährige und lachte. Pfarrer und Küster trieben die Jungs regelmäßig an den Rand der Verzweiflung: "Es sind schon einige Fenster kaputtgegangen, weil wir vor der Gemeinde Fußball spielten, statt in den Unterricht zu gehen", sagte er.

Esther Fastenrath gehörte an diesem Tag zu den ältesten Jubilaren. Die 84-jährige Raderin wurde kurz nach Kriegsende 1947 konfirmiert. Eine schwere Zeit, erinnerte sich die Jubilarin: "Es war eine sehr magere Zeit, in der es wenig zu essen gab, und auch die Geschenke fielen spärlich aus. Mit etwas Glück gab es etwas Handgemachtes." Etwa 50 Kinder waren sie damals. Von ihnen nahmen gerade mal drei an den Feierlichkeiten teil. Auch Fastenrath selbst kam eher zufällig. "Meine Freundin, die heute 60 Jahre Konfirmation feiert, hatte mich gefragt, ob ich sie nicht begleiten wollte. Sonst hätte ich wohl nichts davon erfahren", sagte sie.

Manuela Melzer gab zu, dass es trotz intensiver Recherche vor allem bei den Frauen wegen der Namensänderungen nach der Heirat immer schwierig sei, sie wiederzufinden. Für die Gemeinde sei der Aufwand aber dennoch wichtig - auch, um die Jubilare wieder in ihrer alten Gemeinde zusammenzubringen.

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Auch die reformierte Gemeinde feierte am Sonntag ihre Jubelkonfirmanden. 16 nahmen am Gottesdienst in der Kirche am Markt und am Mittagessen im Dietrich-Bonhoeffer-Haus teil. Ein Wiedersehen, von dem sich vor allem die Goldkonfirmanden mehr Resonanz gewünscht hätten. Beim Mittagessen gab es Gelegenheit zum Klönen, über früher, von heute, um sich auf den neusten Stand zu bringen. Die Neugierde über Werdegang und Leben seiner damaligen Weggefährten hatte Horst Schnippert (65) dazu veranlasst, die Einladung zum Goldjubiläum wahrzunehmen und aus München nach Rade zurückzukehren. "Ich wollte heute gerne dabei sein, weil ich wissen wollte, was aus den Menschen geworden ist", sagte er. Seit fast 40 Jahren lebt Schnippert in der bayerischen Hauptstadt und pflegt noch Kontakte in die alte Heimat, wie zu seinem langjährigen Freund Lothar Freudenberg. "Es wäre schon schön gewesen, wenn mehr von uns gekommen wären", sagte der 65-Jährige. "Nach 50 Jahren hier zusammenkommen, da ist wie ein Klassentreffen und eigentlich doch eine gute Sache."

Aus ihrer Konfirmandenzeit ist ihnen besonders Pastor Hermann in Erinnerung geblieben: "Der hatte einen sehr starken Händedruck und drückte mit seinem Daumen auf den Mittelknochen", erzählte Freudenberg. "Und wir mussten damals mit Hut zur Kirche und viel lernen." Spaß habe ihnen das häufig nicht gemacht. "Wie es so ist, wenn man jung ist, schläft man lieber länger als sonntagsfrüh in die Kirche zu gehen." Aber vor der Konfirmandenprüfung wurde Freudenbergs Ehrgeiz geweckt. "Ich habe mich sieben Mal gemeldet und die Fragen beantwortet. Das musste sein, das wollte ich mir beweisen", berichtete er schmunzelnd.

Pfarrer Dieter Jeschke freute sich, zumindest einige Jubilare mit der Einladung erreicht zu haben. "Es ist immer schwierig, die Leute zu identifizieren, vor allen bei den Frauen, wenn sie heiraten, den Namen ändern oder wegziehen." Besonders traurig sei in diesem Jahr auch, dass überraschend viele schon gestorben sind.

Für die reformierte Gemeinde ist der Kontakt zu ehemaligen Mitgliedern wichtig. Viele verlieren den Bezug zur Kirche, sagte Jeschke. "Wenn man sich in der Berufstätigkeit befindet, verdrängt man leichter, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die im Alter, wenn man in den Ruhestand geht, aufkommen." Dann lebt der Kontakt zur Gemeinde oft wieder auf, wie auch nach einer gelungenen Jubelkonfirmation.

Quelle: RP
 
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