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Radevormwald
Anregung, über die eigene Beziehung nachzudenken

Radevormwald. Woody Allens Lieblingsthema, die Beziehung zwischen Männern und Frauen, findet sich auch in "Geliebte Aphrodite" wieder. Dieses Drehbuch brachte das Rheinische Landestheater Neuss am Mittwoch auf die Bühne des Bürgerhauses. Die Veranstaltung des Rader Kulturkreises war gut besucht und regte wohl jeden Zuschauer dazu an, über die eigene Ehe oder Beziehung und die damit verknüpfte Sexualität und emotionale Verbindung nachzudenken. Von Flora Treiber

Die Drehbücher des wohl berühmtesten Filmemachers unserer Zeit wirken auf den ersten Blick zwar leichtfüßig und witzig, haben aber immer einen ernsthaften Hintergrund. Für Dramaturg Reinar Ortmann lag die Herausforderung darin, den Film theaterwirksam zu gestalten. "Auf der Bühne haben wir immer die Volltotale. Es gibt keine Schnitte oder schnelle Ortswechsel. Diese Schwierigkeit haben wir mit Hilfe des Chors der Antike gelöst", sagte Ortmann. Der antike Chor, der aus Figuren der griechischen Mythologie wie Kassandra besteht, übernimmt in "Geliebte Aphrodite" die Rolle der Polis.

"Der Chor repräsentiert das Gemeinwesen, entwickelt im Laufe des Stücks aber auch einzelne Charaktere", beschrieb Ortmann. Die mythologischen Gestalten kommentierten die Handlung außerdem aus einer beobachtenden Haltung. Der Chor wird in Kontrast zu dem New York der 1990er Jahre gesetzt, in dem Lenny und Amanda Weinrib (Rainer Scharenberg und Linda Riebau) leben. Der Sportjournalist und die Galeristin setzen ihre meiste Kraft für ihre Karriereplanung ein und haben eigentlich noch nie über Nachwuchs nachgedacht, bis Amanda ihren großen Kinderwunsch äußert.

Da die Zeit für eine Schwangerschaft fehlt, adoptiert das Ehepaar den kleinen Max, der sich schnell als Wunderknabe herausstellt. Als sich die Ehe zwischen Lenny und Amanda immer mehr entfremdet, geht Lenny auf die Suche nach der leiblichen Mutter seines Sohnes. Obwohl ihm der antike Chor davon abrät, "Schicksal zu spielen", führt die Suche den Sportjournalisten zu Linda Ash (Juliane Pempelfort). Die junge Frau, Darstellerin in Sexfilmen und Prostituierte, freundet sich immer weiter mit Lenny an, der sie auf die richtige Bahn bringen möchte und ihr zu einem seriösen Lebenslauf verhilft. Die Unverkrampftheit von Linda steht während des Stücks im starken Kontrast zu den Sitten und dem stark standardisierten Leben der New Yorker Mittelschicht. Eine humorvolle, unglaublich treffende Dreiecksgeschichte über die moderne Gesellschaft, die das Rheinische Landestheater Neuss mit einem mobilen, leuchtenden Bühnenbild abbildete, das an Monty Python-Filme erinnerte.

Für Kostüme und Bühne war Oliver Kostecka, für die Musik Stefan Leibold zuständig. Die Musik bewegte sich passend zu Woody Allen immer wieder in vertrauten Jazz-Melodien. Die Inszenierung von Peter Wallgram hat es geschafft, einen komplexen Film auf die Theaterbühne zu bringen, ohne dabei an Schnelligkeit, Abwechslung und Witz zu verlieren.

Quelle: RP
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