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Radevormwald
Blutige Intrigen am englischen Königshof

Radevormwald: Blutige Intrigen am englischen Königshof
Nicht zimperlich: Richard lässt einen Bruder ermorden, die Neffen verschwinden spurlos. Das Rheinische Landestheater Neuss faszinierte das Publikum im Bürgerhaus mit einer gelungenen Inszenierung. FOTO: rlt
Radevormwald. Das Rheinische Landestheater Neuss brachte Shakespeares "König Richard III." vor knapp 200 Zuschauern ins Rader Bürgerhaus. Die spannende und aktuelle Story begeisterte das Publikum und sorgte für ein würdiges Ende der Saison. Von Wolfgang Weitzdörfer

Ein wahrlich tragischer Abschluss für die 67. Spielzeit des Kulturkreises Radevormwald. Nicht im qualitativen Sinne, keineswegs. Mehr inhaltlich betrachtet. Es wird Shakespeare gegeben: "König Richard III.", ein frühes Werk des englischen Dichterfürsten. Das Rheinische Landestheater Neuss ist am Mittwochabend einmal mehr zu Gast im mit etwa 200 Zuschauern gut gefüllten Bürgerhaus.

Und während es draußen regnet und windet, spielt sich im Inneren die Tragödie rund um den intriganten, bösen und machtgierigen Richard von Gloster ab. Die Geschichte von "König Richard III." ist von großer Aktualität: Bevor Richard schließlich zum König, dem Nachfolger Edwards IV., gekrönt wird, ist er nur Herzog von Gloster. Und eigentlich sind die Chancen diesbezüglich für ihn schlecht, denn er steht in der Thronfolge keineswegs weit vorne, im Gegenteil, wären doch Brüder und Neffen vor ihm dran.

Richard ist nun nicht zimperlich: Einen Bruder lässt er ermorden, die Neffen verschwinden spurlos, und auch der Fluch der früheren Königin Margeret - übrigens eine enorm starke Szene! - hindert ihn nicht daran, sich weiter sprichwörtlich über Leichen bis an die Spitze des englischen Königreiches durchzumorden. Bleibt nur die Frage, wie er diese Macht nun behalten kann, wenn er doch von Bündnispartnern umgeben ist, die ihm keineswegs nur loyal und wohlgesonnen sind.

"König Richard III." ist ein frühes Werk Shakespeares, aber schon hier wird sein Genie deutlich. Denn der Richard von Gloster, den er da entwickelt, hat in seiner Bosheit etwas ungemein Faszinierendes und Vielschichtiges an sich. Beinahe etwas mephistophelisch-geckenhaftes, zumindest in der hervorragenden Darstellung von Philipp Alfons Heitmann, der den Richard als Polit-Intriganten darstellt, der die Strippen nach seinen Wünschen zieht und die Köpfe einfach so nach seinem Willen rollen lässt. Blut fließt aber natürlich nur in der Vorstellung der Zuschauer, das Bühnenbild von Iris Kraft und die Kostüme von Ivonne Theodora Storm sind betont schlicht und weitgehend in schwarz gehalten.

Dazu kommen zurückhaltende bis angstauslösende Minimalmusik von Bojan Vuletic und eine schlichte, aber ausdrucksstarke Inszenierung von Bettina Jahnke, die den Richard ganz und gar ins Heute transportiert und die mehr als 400 Jahre vergessen lässt, die zwischen der Entstehung des Stückes und der Gegenwart liegen.

Und das ist möglicherweise die größte Leistung von Jahnkes Inszenierung: spielerisch zu zeigen, wie Politik funktioniert, damals wie heute. Denn auch wenn, zumindest in aller Regel, politische Gegner heute nicht mehr enthauptet werden, um sie aus dem Weg zu schaffen, so ist es doch immer noch Usus, sie auf andere Art und Weise auf dem Weg zur Macht zu entfernen. Etwa, indem man ihnen "das vollste Vertrauen" ausspricht. Oder Unregelmäßigkeiten in Doktorarbeiten, Drogenkonsum oder sonstige Verfehlungen öffentlich macht.

Ein würdiger Abschluss für diese Spielzeit, keine Frage. Und da im Foyer bereits ein Ausblick auf die kommende Spielzeit ausliegt, darf man sich in der Pause schon einmal auf das freuen, was in der 68. Spielzeit auf dem Programm steht. Shakespeare ist übrigens auch wieder mit dabei.

Quelle: RP
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