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Radevormwald
In der Kühle lässt es sich gut arbeiten

Radevormwald: In der Kühle lässt es sich gut arbeiten
Marija Klacik und Sohn Michael von "Am Matt" nutzen den alten Eis- und Gewölbekeller mit kontinuierlichen kalten Temperaturen unter dem Jahrhunderte alten Fachwerkhaus am Markt als Lager. Ein Bierkeller ist im Anbau. FOTO: Nico Hertgen
Radevormwald. Das Wetter ist sommerlich, aber in Rade wird nicht überall geschwitzt. Vor allem in Gewölbekellern, Fassbierlagern und Kühlkammern lässt es sich bei Außentemperaturen von mehr als 30 Grad aushalten. Eine Rundfahrt. Von Jan Dobrick und Delal Tugcu

Löwen-Apotheke (Verkaufsraum, plus 23 Grad) - Arzneimittel müssen unter 25 Grad gelagert werden, darum ist es bei Cathrin Schmitz auch im Sommer richtig schön kühl. "Die Kunden, die unter der Hitze leiden, würden am liebsten direkt bei uns bleiben", sagt die Inhaberin der Löwen-Apotheke an der Kaiserstraße. Eine Klimaanlage kühlt die Räume herunter. "Aber nicht so stark, dass man einen Schock oder eine Erkältung bekommt", sagt die 37-Jährige. Zwischen zwei und acht Grad sind zudem die kleinen MedikamentenKühlschränke kalt, in denen Impfstoffe, Insuline oder Asthmasprays aufbewahrt werden. Tipps für heiße Tage hat Schmitz natürlich auch parat: "Man sollte viel trinken - Mineralwasser oder Saftschorle - und alles ein bisschen langsamer angehen lassen", rät die Apothekerin.

Restaurant "Am Matt" (Gewölbekeller, plus 15 Grad) - Im alten Gewölbekeller des Restaurants am Rader Markt ist es so schattig und kühl, dass man sich vor Glück in den Armen liegen möchte. Die Kellerwände sind massiv, die Sonne ist ausgesperrt. Früher wurde hier das Eis gelagert, Inhaberin Marija Klacik (56) bewahrt in dem feuchten Raum - in dem es auch noch einen alten Brunnen gibt - aber nur noch Putzmittel und Schnaps auf, der auf alten Holzpaletten steht. "Wir würden bei den extremen Temperaturen gerne häufiger in den Keller flüchten, aber uns fehlt die Zeit dazu", sagt Klacik. Immerhin bedient sie mit ihrem Team an einem heißen Tag bis zu 110 Gäste. Klirrend kalte Arbeitsplätze gibt es im Restaurant "Am Matt" auch: Das Getränkelager hat etwa fünf Grad, Lebensmittel werden in einer Kühlkammer bei zwei Grad gelagert. "In der Küche sind es an Sommertagen zeitweise über 40 Grad - die Temperaturunterschiede sind bei uns extrem."

Getränkevertrieb Tacke (Fassbierlager, plus 6,5 Grad) - Bei Hitze gehen die Mitarbeiter von Inhaberin Elke Tacke auf dem Zahnfleisch - sie kommen allerdings nur selten bis zu den kühlen Fassbierlagern, um dort eine Pause einzulegen. "Es gibt einfach zu viel zu tun, die Menschen sind durstig", sagt die 65-Jährige, die in ihrer 1200 Quadratmeter großen Halle an der Dahlienstraße rund 80 verschiedene Wasser- und 15 Biersorten anbietet. Der Gerstensaft, der bei etwa acht Grad getrunken werden soll, wird in den beiden Fassbierlagern bei 6,5 Grad aufbewahrt. "Im Sommer kühlen wir aber auch immer mal wieder Softdrinks, damit wir auf Kundenwünsche spontan reagieren können", erklärt Tacke.

Metzgerei Kalkuhl (Kühlkammer, plus 1 Grad) - Das Fleisch ist gut gekühlt, die Angestellten der Metzgerei an der Kaiserstraße japsen bei der Bullenhitze aber genauso wie alle anderen. "Wir können nicht einmal die Türe offenstehen lassen, da sonst Fliegen reinkommen", sagt Jennifer Kalkuhl, die dennoch keinen Gedanken daran verschwendet, ihren Arbeitsplatz in die rund ein Grad kalte Kühlkammer - neben Fleisch, Konserven und Mayonnaise - zu verlagern: "Das ist zwar für einen kurzen Moment ganz erfrischend, wird aber ziemlich schnell viel zu kalt."

Meister Blumberg's Fleischwaren in Hückeswagen (Kühlraum, minus 26 Grad) - Thorsten Quabeck (47) trägt ein Feinripp-Unterhemd, darüber ein Shirt, zwei Rollkragenpullover aus Baumwolle und einen Kittel, als er die Kühlkammer betritt, die er als "kältesten Ort der Stadt" vorstellt. Es riecht nach Schweinshaxen und Frikadellen. Eiszapfen hängen von der Decke in den Raum, in dem bei minus 26 Grad Fleisch und Fisch gelagert wird. "An manchen Tagen beträgt die Differenz zur Außentemperatur um die 60 Grad", sagt der Betriebsleiter der Fleischfabrik in Kobeshofen. Maximal 30 Minuten lang wird in dem kältesten der acht Kühlräume gearbeitet. Die Arbeiter tragen spezielle Schutzkleidung - unter anderem Steppwesten und Fußwärmer. In der Fabrik muss der Körper bei Temperaturschwankungen von 70 Grad bis minus 26 Grad einiges aushalten. Besonders heiß ist es an den Kochkesseln, also da, wo die Würstchen gebrüht werden, die anschließend zum Herunterkühlen eine Dusche bekommen. "Es fühlt sich an, als würde man in einer Dampfsauna arbeiten."

Quelle: RP
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