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Heiligenhaus
Achtung: Gegenverkehr!

Heiligenhaus. Großer Bahnhof für ein historisches Ereignis: Zahlreiche Bürger waren zur offiziellen Eröffnung der Entflechtungsstraße gekommen. Für die Stadt wird ein Traum nach 55 Jahren Wirklichkeit. Von Stefan Mülders

Dr. Jan Heinisch nahm sich Zeit. Das ist ungewöhnlich für den Heiligenhauser Bürgermeister, dessen Reden in der Regel kurz und knackig ausfallen. Diesmal aber waren es fast 20 Minuten, in denen er würdigende Worte für den Moment fand, der gleich im mehrfachen Sinne einen Wendepunkt der Stadtgeschichte einläutet. Unterbrochen wurde er dabei nur ab und an von vorbeifahrenden Lastwagen oder Bussen, gegen deren Motorengeräusch er nicht anreden wollte. Im Beisein des stellvertretenden Landrats Michael Ruppert sowie Andreas Happe von der Bezirksregierung und seinem Vorgänger Peter Ihle schweifte Heinisch ab in vergangene Tage. In die Zeit, als Automobile ihren unaufhaltsamen Siegeszug begannen, ihr gehäuftes Aufkommen neue Anforderungen an den Straßenbau stellte. "Schon ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1956 sah eine Umgehung für Heiligenhaus vor: "Sie hatte auf den damaligen Papieren in etwa den Verlauf, den die A44 bekommen wird."

Glückskeks fällt auf die Straße

Nach einigen weiteren historischen Fakten rund um die Nicht-Realisierung der Pläne landete er in der Gegenwart. Vor einigen Tagen habe er einen Glückskeks bekommen, den er im Büro auspackte. Der Keks aber fiel durch sein Fenster auf die Westfalenstraße und wurde dort vom Auto erwischt. "Ich lief hinunter, um den Zettel zu suchen und fand ihn auch. Darauf stand: Es bricht eine vielversprechende Zeit mit längst fälligen Belohnungen an." Den Beweis streckte er mit der rechten Hand in den Himmel. Wofür zu belohnen wäre, das wusste der Erste Bürger der Stadt sehr wohl auch noch mal zu erläutern.

Heinisch erzählte von schier unendlichen Verhandlungen mit Anliegern der geplanten Trasse, Grundstücks- und Gebäudekäufen, Lösungssuche für die Mieter, und er machte den Schwenk zum PanoramaRadweg, dessen Idee noch gar nicht geboren war, als die Bahntrasse für die Westfalenstraße vom Eigentümer gekauft werden musste. "Die Entflechtungsstraße ist nicht die optimale Lösung, aber sie ist eine wahnsinnig gute." Dass sie realisiert wurde, dafür dankte Heinisch den Ratsmitgliedern, die dem Abwarten ein Ende gesetzt, als Visionäre das Bedenkenträgertum hinter sich gelassen hätten. Er erwähnte auch den nicht anwesenden CDU-Landtagsabgeordneten Dr.  Wilhelm Droste, der sich auf Landesebene immer wieder für das Projekt stark gemacht hatte. "Diese Straße soll eine Straße des Erfolges sein, sicher und nach Möglichkeit unfallfrei. Darum fahren Sie jederzeit vorsichtig."

Damit schaffte Heinisch den Übergang zur wohl einschneidensten Neuerung: Nach 58 Jahren wird die Hauptstraße auf den an die Westfalenstraße angrenzenden Teilstücken Gegenverkehr erleben. Den Anfang machte ein als Shuttle eingesetzter Oldtimer-Bus, der seine Geburtsstunde in etwa in der Zeit erlebte, als in Heiligenhaus die ersten Ideen einer Umgehungsstraße wuchsen.

Wie neu dieses Gefühl ist, durften die Teilnehmer der ersten Fahrt hautnah erleben. An der Einmündung der ehemaligen Industriestraße wollte nämlich der Busfahrer nicht der neuen Richtung folgen, sondern nach rechts in die Hauptstraße abbiegen. Diese Gewohnheit können alle nun getrost ablegen – auch wenn die Umstellung in den Köpfen ganz sicher noch ein paar Tage Zeit benötigt.

Quelle: RP
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