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Ratingen
Bravo-Rufe für das Collegium Musicum

Ratingen: Bravo-Rufe für das Collegium Musicum
Das Collegium Musicum begeisterte beim Frühjahrskonzert sein Publikum. Im roten Kleid die Cello-Solistin Hamza. FOTO: Blazy
Ratingen. Ratinger Ensemble bereitet knapp 200 Gästen einen heiteren Konzertabend im Stadttheater. Von Dirk Neubauer

Die Einheit zwischen Klangkörper und Publikum ist zwischen den Sätzen abzugreifen. Dort, wo gelegentliche Konzertbesucher fälschlicherweise meinen, dass von ihnen eine Bestätigung per Zwischenapplaus erwartet wird. Womit sie jedoch sensible Musiker zur Weißglut treiben; denn die würden sich gerne auf den Tempowechsel konzentrieren. Nichts davon am Sonntagabend im Stadttheater: Das Collegium Musicum brilliert auf der Bühne - und knapp 200 Musikfreunde wissen sich zurückzuhalten, bis das Werk vollendet ausklingt. Erst dann brechen sich Bravo-Rufe Bahn - für das Orchester und für Felicia Joanna Gelsomina Hamza, die Cello-Solistin.

Zunächst jagen das Collegium Musicum und sein Dirigent Eberhard Dietz ein quirliges Huhn über den Hof am Europaring. "La Poule" heißt Joseph Haydns Sinfonie Nr. 83 in g-Moll im Untertitel. Heiter und unterhaltsam, aber dennoch fordernd gackern Oboe und Flöte um die Wette. Es ist jene plötzliche Reminiszenz an den Hühnerhof, die im Jahr 1785 dem Pariser Publikum so gefiel - und die das Werk noch heute zu etwas Leichtem machen. Es ist eine angenehme, unterhaltsam-frühlingshafte Einstimmung in den Abend, dem unvermittelt der Höhepunkt folgt.

Ein weiteres Podest wird hereingetragen und auf ihm nimmt die Cello-Solistin Hamza Platz. Die aus Haan stammende Tochter des Solocellisten Ioan Hamza und der Bratschistin Berta Walter-Hamza erhielt mit fünf Jahren ihren ersten Cellounterricht. Danach war sie Jungstudentin am Konservatorium für Musik Maastricht. Seit August 2012 ist sie dort Vollstudentin im Fach Violoncello. Felicia Hamza war vielfache 1. Preisträgerin von "Jugend musiziert" der Regional- und Landesausscheidungen sowie 1. Bundespreisträgerin. Sie ist mehrfache Trägerin von Förderpreisen. Seit 2010 ist sie festes Mitglied im Bundesjugendorchester der BRD. "Über ihre Mutter kenne ich Hamza schon von klein auf. Es war mir eine Ehre, sie als Solistin einzuladen", sagte Dirigent Eberhard Dietz der RP.

Er hört und begleitet mit dem Collegium ihr Concerto in C-Dur für Violoncello und Orchester Hoboken - eine erste 1961 im Prager Nationalmuseum wiederentdeckte Partitur, bei der Felicia Hamza vor allem das Adagio im zweiten Satz zu lieben scheint, denn als die Aufzüge nicht aufhören wollen, spielt sie den langsamen und nicht den temperamentvollen Part als Zugabe. Und in der Zugabe nochmals inniger, fehlerfreier als zuvor.

Die in der Pause befragten Besucher sind durchweg begeistert - und zwar von "ihrem" Collegium und der Solistin: "Es ist ein Frühlingskonzert", sagt eine Besucherin, "so temperamentvoll." Mit Wein und Brezel gestärkt geht es wieder hinein - zu Franz Schuberts 5. Sinfonie. Vor allem der dritte Satz, das Menuett, umfängt die Musikliebhaber mit seiner zupackenden Rhythmik. Der ungarische Tanz zum Schluss ist ein geschickt gesetztes i-Tüpfelchen, das die Besucher frohen Mutes auf den Heimweg entlässt. Mit nur einem Bedauern: Erst im November ist das Collegium Musicum erneut zu hören.

Quelle: RP
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