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Ratingen
Gestank aus dem Schornstein

Düsseldorf. Holzheizungen sorgen immer häufiger für Ärger in der Nachbarschaft. Bezirksschornsteinfeger Roland Adams gibt Tipps fürs richtige Heizen. Für offene Kamine gelten strenge Regeln. Von Joachim Preuss

Diese Beschwerden hören Schornsteinfeger immer häufiger: Wenn der Kaminofen angefeuert wird, besonders in der Übergangszeit, stinkt's manchen Nachbarn. Immer mehr Bürger schaffen sich einen Kaminofen an, um einerseits für ein wenig Romantik im Wohnzimmer zu sorgen und andererseits, um teures Heizöl oder Erdgas zu sparen. Doch gerade beim Betrieb von Kaminöfen oder offenen Feuerstellen gibt es Einiges zu beachten, wie Bezirksschornsteinfeger Roland Adams betont.

Ein RP-Leser aus Hösel beschwerte sich kürzlich über allabendlichen Qualm, der sich zwischen den Häusern fange. Die Ursache hat er bereits ausgemacht: Ein Nachbar, der seinen offenen Kamin betreibt. Und das wohl nicht immer mit abgelagertem, also trockenem Holz. Jetzt habe es deutlich nach Tannenbaum gerochen, berichtete der leidgeprüfte Nachbar.

Blick auf die Skala

"Der Tannenbaum kann natürlich verheizt werden, es muss aber der von 2008 sein. Der ist trocken", so Adams. Generell gilt, dass Brennholz unter 20 Prozent Feuchtigkeitsgehalt haben muss. Das ist etwa, je nach Holzart und Größe der Stämme, nach ein bis zwei Jahren der Fall. Werden fertige Scheite an trockenen Orten zum Trocknen gestapelt, sind sie meist schneller ofenfertig als komplette Stämme.

Was können Bürger tun, denen Nachbars Kamin stinkt? Adams: "Der Schorni kann bei Beschwerden durch Rauchbelästigungen nicht einschreiten. Er muss vom Ordnungsamt beauftragt werden. Wir beurteilen dann die Rauchfahne unter Hinzuziehung einer Ringelmann-Skala." Auf der durchsichtigen Skala befinden sich sechs verschiedene Graufelder zwischen Weiß und Schwarz. Der Schornsteinfeger hält sie am Tag vors Auge und blickt durch die Skala auf den Kamin: "Die Rauchfahne darf den Grauwert 1 nicht überschreiten. Ein größerer Grauwert in der Anheizphase ist zulässig. Ein Auto hat beispielsweise in der Kaltstartphase ja auch nicht die besten Verbrennungseigenschaften. Problem: Ringelmann geht nur bei Tag." Außerdem werde das vorgefundene gelagerte Holz auf seine Feuchte hin überprüft, die Lage der Schornsteinmündungen und die Nähe zur Nachbarbebauung sowie die Feuerstätte würden beurteilt. Erlaubt sind nur trockenes Holz, Holzbriketts und Kohlenbriketts. Die manchmal in Baumärkten angebotenen, in Papier gewickelten Paraffin-Briketts sind verboten: Sie haben eine enorme Rußentwicklung und können wegen der enthaltenen Brennstoffe sogar gefährlich werden. Ebenfalls nicht erlaubt sind lackierte oder behandelte Hölzer wie beispielsweise Spanplatten.

Eine Besonderheit, so Adams, gebe es bei den offenen Kaminen, wie sie früher mal als besonders schick galten und in alten Häusern oft noch zu finden sind. "Ein reiner offener Kamin, also ohne Heizeinsatz, darf nur gelegentlich betrieben werden. Gelegentlich bedeutet, laut Urteil des Oberverwaltungsgerichtes, maximal acht Mal im Monat, jeweils für fünf Stunden." Jedoch seien diese Zahlen nur als Faustformeln zu werten. "Die Umweltämter können im Einzelfall anders bewerten", so Adams.

Zur Umweltbelastung kommt: Offene Kamine haben so gut wie keine Heizleistung, weil die Hitze sofort durch den Kamin abzieht. Außerdem dürfen sie keine Sekunde aus den Augen gelassen werden: Wenn dann Funkenflug, zum Beispiel durch stark harzhaltiges Nadelholz, für einen Wohnungsbrand sorgt, zahlt die Versicherung nicht.

Quelle: RP
 
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