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Interview
"Müssen mehr auf Menschen zugehen"

Ratingen. Die Ratingerin Heidelore Brebeck ist zur neuen Vorsitzenden der Senioren-Union im Kreis Mettmann gewählt worden.

Herzlichen Glückwunsch erst einmal zur Wahl.

Heidelore Brebeck Danke. Ich habe mich auch sehr darüber gefreut, dass ich bei der Wahl mit nahezu allen Stimmen gewählt worden bin. Das bestärkt mich darin, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist, mich für das Amt zur Verfügung zu stellen.

Wie kam es eigentlich dazu?

brebeck Unser langjähriger Vorsitzender hatte mich Anfang des Jahres gefragt, ob ich mir vorstellen könne, sein Amt zu übernehmen, da er aus Altersgründen nicht mehr kandidieren wolle. Ich habe mir dann Bedenkzeit erbeten und über das für und wieder nachgedacht. Und schließlich habe ich mich dafür entschieden.

Und das trotz einer Doppelbelastung; schließlich sind Sie seit einiger Zeit auch noch Vorsitzende der Ratinger Senioren-Union.

brebeck Das stimmt, aber ich sehe darin auch Synergievorteile. Es ist von Nutzen, wenn man schon in einer Funktion tätig ist. Man hat einfach ein größeres Netzwerk. Was für mich aber entscheidend ist, dass ich auch als neue Vorsitzende der Senioren-Union im Kreis nach wie vor voll und ganz hinter meiner Aufgabe in Ratingen stehe und mich dafür einsetze. Mir macht die Arbeit hier in Ratingen sehr viel Freude, ich bekomme von den Mitgliedern sehr viel Resonanz.

Was unterscheidet die Aufgabe in einem Ortsverband und der im Kreis?

Brebeck Analog zur Aufgaben-und Verantwortungsverteilung zwischen Stadt und Kreis, setzt sich der Ortsverband der Senioren für die Anliegen und Interessen der Ortsmitglieder ein. Die Senioren-Union des Kreises vertritt die Interessen der Seniorenortsverbände gegenüber dem Kreistag. Das heißt im Klartext auf Kreisebene sind wir dafür da, die Themen der einzelnen Ortsverbände zu bündeln und sie dann entsprechend in den höheren Gremien oder im Kreisvorstand der CDU zu positionieren und diese dort auch zu vertreten.

Das heißt, Sie müssen letztlich wissen, wo es den Senioren in allen Kreisstädten unter den Nägeln brennt?

brebeck Das stimmt in etwa, hierfür gibt es einen Kreisvorstand der Senioren-Union. Diese setzt sich aus einem geschäftsführenden Vorstand sowie Beisitzern aus den einzelnen Städten im Kreis zusammen. Trotzdem steht für mich in den nächsten Wochen vor allem auf der Agenda, auch die Städte kennenzulernen, zu denen ich bisher noch nicht so den Bezug hatte. Ich habe bei meiner Wahl gesagt, ich möchte ansprechbar für die Menschen aus allen Städten sein. Es geht darum, ein offenes Ohr für Probleme und Anregungen zu haben.

Was sind denn die Themen, die den Menschen in den Städten besonders in den Fokus gebracht werden müssen?

brebeck Ich bin der Meinung, dass die Politik der CDU und der Senioren-Union auf Dauer nur Erfolg haben kann, wenn wir uns wieder stärker vor Ort dem unmittelbaren Kontakt zum Bürger zuwenden und ihm unsere Politik erklären und für sie werben. Ganz oben steht immer wieder das Thema Wohnen. Bezahlbaren und altersgerechten Wohnraum zu finden, ist ein ganz großes Problem. Hier muss unbedingt etwas geschehen. Aber auch die Kranken- und Pflegeversicherung müsste reformiert werden, dass eine pflegerische Versorgung erreicht werden kann, die in geeigneter Form vor allem den Pflegebedürftigen zugutekommt. Der Arbeitsmarkt ist auch ein wichtiges Thema, hier sollten die Älteren auch mehr Chancen bekommen, über das festgelegte Rentenalter zu arbeiten, damit in den kommenden Jahren der Bedarf an Fachkräften gedeckt werden kann. Die etablierten Parteien klagen über sinkende Mitgliederzahlen.

Wie sieht das bei der Senioren-Union im Kreis aus?

Brebeck Wir sind sehr gut aufgestellt. In dem vergangen Jahr haben wir 100 Neuzugänge in den einzelnen Ortsverbänden bekommen, so dass wir im Kreis auf über 1000 Personen kommen, die Mitglied der Senioren-Union sind. Interessant ist dabei, dass sich hier die Frauen für so etwas mehr begeistern lassen als Männer. Unser größter Ortsverband ist Monheim mit über 300 Mitgliedern, bei mir in Ratingen sind es rund 130.

Wer kann bei Ihnen eintreten?

brebeck Wir richten uns an Menschen ab 60 Jahren, an politisch interessierte und lebensfrohe Bürger. Hier bieten wir eine sinnvolle Betätigung und interessante Aufgabe und auch das Miteinander in einer Gruppe von Menschen mit einer demokratischen Weltanschauung. Für viele ist es leider ab 60 noch nicht möglich, an unseren Veranstaltungen und Fahrten teilzunehmen, da diese meistens tagsüber stattfinden. Wer noch voll im Berufsleben steht, der hat in der Regel für so etwas weniger Zeit. Und was besonders wichtig ist, wer in die Senioren-Union eintreten möchte, muss nicht unbedingt Mitglied der CDU sein.

Warum treten Menschen bei Ihnen ein?

brebeck Es geht vor allem darum, Geselligkeit zu erleben, etwas zu tun, nicht im Alter in den eigenen vier Wänden sitzen und nichts tun. Unsere Fahrten sind dafür ein reges Beispiel. Da wird so viel gelacht und erzählt, das macht richtig Spaß. Das sind für mich immer ganz tolle Erlebnisse, die diese Gemeinschaft besonders faszinierend macht.

Aber letztlich geht es ja doch immer ein bisschen um Politik.

brebeck Natürlich spielen diese Themen eine Rolle. Wir wollen keine Altenpolitik in einer Altenrepublik. Wir wollen beteiligt sein an der Formulierung und Umsetzung einer Politik für alle, ob jung oder alt. Wir wollen eine Solidargemeinschaft mit gleichen Rechten und Pflichten- Mitverantwortung und Beteiligung an allen politischen Entscheidungen der Partei. Politik ist nur möglich, wenn wir einen guten Kontakt zu den Menschen in den Städten haben und wissen, wo sie der Schuh drückt.

KARL RITTER STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
 
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