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Homberg
Pflegedienste im Dauerstau auf der Landstraße

Homberg: Pflegedienste im Dauerstau auf der Landstraße
Anke Menne vom Pflegedienst der Neander Diakonie braucht bisweilen 45 Minuten bis Homberg. FOTO: Achim Blazy
Homberg. Der Dauerstau auf der Landstraße von Ratingen nach Homberg ist für alle Autofahrer nervtötend. Für private Pflegedienste besonders. Sie verlieren Zeit und Geld. Der Seniorenrat schlägt Alarm, Stadt ist machtlos. Von Valeska von Dolega

Als wären die Mitarbeiter vieler Pflegedienste nicht schon genug unter Druck: Um die einzelnen Etappen ihrer Touren pünktlich zu erreichen, ist jede Strecke eine sportliche Herausforderung gegen die Uhr. Außerplanmäßige Zeitverzögerungen durch Unfälle oder langsam dahinschleichende Ortsunkundige auf der Suche nach dem richtigen Weg sind eine Herausforderung. Staus eine Katastrophe. Ein neuralgischer Dauerstau befindet sich auf der Landstraße durch Homberg. Vor allem nachmittags rollt alles im Schneckentempo. Wenn überhaupt.

Vom Marktplatz bis nach Homberg dauert so eine Strecke gerne 30 bis 45 Minuten länger. "Das ist eine starke logistische Herausforderung", sagt Sylvia Menke, bei der Diakonie verantwortlich für Einsatz und Koordination mobiler Pflegekräfte. "Diese extrem langen Fahrzeiten müssen wir versuchen einzukalkulieren." Keine einfache Aufgabe für die Frau, die sich selbst als so etwas wie "operative Schaltstelle" bezeichnet. Etwa 25 Kunden sind es im betreffenden Stadtteil, die versorgt werden müssen - nicht irgendwie und irgendwann, sondern pünktlich. Das gilt vor allem für die, die mit Spritzen, Tabletten oder Verbandswechsel in der sogenannten Behandlungspflege versorgt werden.

Dauerstau in Homberg: Wenn in Hofermühle die Abfahrt der A44 fertig ist, wird sich bis zur endgültigen Fertigstellung des A44-Lückenschlusses bis Ratingen Ost der Verkehr auch durch Homberg quälen. FOTO: Blazy, Achim (abz)

Diabetes-Patienten beispielsweise, die sich nicht selbst ihr Insulin spritzen können, müssen in einem engen Zeitfenster ihr Insulin bekommen. Ebenso betroffen sind Patienten, die in der sogenannten Grundpflege sind. "Bei jenen ohne Verwandtschaft sind wir als Pflegedienst oft die einzigen regelmäßigen Besucher", sagt Sylvia Menke. "Ist abzusehen, dass zeittechnisch etwas vollkommen aus dem Ruder läuft, gibt es eine Rufbereitschaft." Hier springt dann ein Kollege ein. Um das Dauerstauproblem rund um Homberg logistisch besser in den Griff zu bekommen, ist bereits bei der Diakonie darüber diskutiert worden, das Quartier nicht länger aus Ratingen, sondern aus Mettmann anzusteuern.

"Vom Marktplatz bis nach Homberg dauert die Strecke durch den Stau viel länger", weiß auch Andreas Hagemann, Einrichtungsleiter Haus Wichern. Er weiß nicht bloß von Kollegen aus der Pflege, dass sie Nachmittagsdienste nur ungern übernehmen. "Unsere Bewohner bekommen deutlich weniger Besuche. Das ist eine Einschränkung, die wir bemerken." Dr. Jürgen Schroeder, pensionierter Arzt und stellvertretender Vorsitzender des Seniorenrats, hatte eine öffentliche Anfrage gestellt, was die Stadt in Sachen Stauminderung zwischen Ratingen und Homberg machen kann. "Die Möglichkeiten der Stadt sind sehr begrenzt, da die Verkehrsmengen zu groß sind", antwortete Thomas Schrief vom Tiefbauamt. Zunächst soll die Ampelanlage Steinhauser Straße "angepasst" werden. "Darüber hinaus beabsichtigt die Verwaltung, sämtliche Signalanlagen in Homberg komplett überplanen zu lassen." Einige Anlagen und Kreuzungsbereiche müssen ebenfalls komplett erneuert werden. "Mit einer Umsetzung ist frühestens Ende 2016 zu rechnen", heißt es im Antwortschreiben der Verwaltung. Das Teilstück zwischen Hofermühle und Anschluss Velbert will Straßen NRW soll bis 2016/2017 freigeben. Die DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) wird das westliche Teilstück errichten und rechnet mit Bauende etwa für 2018. Solange wird sich ein Teil des Verkehrs ab Hofermühle auch durch Homberg quälen.

Quelle: RP
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