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Analyse
Schulplanung: Jede Stadt tickt anders

Kreis Mettmann. Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule, Sekundarschule, Berufskollegs, Privatschulen - die Schullandschaft im Kreis Mettmann ist eher unübersichtlich. Das Schulministerium rät zu interkommunaler Zusammenarbeit, aber es stecken Teufel in Details. Von Paul Köhnes und Monika von Kürten

Ein beinahe modellhaft gelungener Verlauf: Auch der zweite Sohn von Vera Penndorf besucht jetzt das Gymnasium. "Die Schulwahl fiel uns nicht schwer, es war ausreichend Transparenz vorhanden. In der Grundschule gab es eine Infoveranstaltung, in der wir über die unterschiedlichen Schullaufbahnen informiert wurden. Über ausliegende Flyer, eigene Internetrecherchen und Informationen aus der Presse haben wir uns potenzielle Schulen ausgesucht. Wir waren beim Tag der offenen Tür und haben konstruktive Gespräche geführt. Die endgültige Auswahl haben wir gemeinsam getroffen. Es hat dann glücklicherweise auch so geklappt. Von Bekannten weiß ich, dass nicht immer alles so rund läuft" , sagte sie. Und meint damit die Wahl der weiterführenden Schule. Das Spektrum ist breit: Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule, Sekundarschule, Berufskollegs, Privatschulen. Und wohl dem, der während der Schulzeit ortsfest planen kann.

Dabei klingt beim ersten Hinhören alles ganz einfach: "Das Land definiert, welche Schulformen es gibt und wie groß die Schulen mindestens sein müssen. Welche Schulen vor Ort gebaut werden, entscheiden die Kommunen - und beziehen dabei Elternwünsche und Bedarf in ihre Überlegungen mit ein." So erklärt es Jörg Harm, Sprecher des Landes-Bildungsministeriums. In den vergangenen Jahren kam Bewegung in die Schullandschaft.

Er spricht allerdings auch von der "Herausforderung gerade im ländlichen Raum" - und meint damit die Schwierigkeit, auf mittel- und langfristig sinkende Schülerzahlen zu reagieren.

Hier sieht es derzeit für Schulämter in Stadtverwaltungen nach viel Arbeit aus, speziell dann, wenn mehrere Städte gemeinsam Lösungen suchen. Das tun sie ebenfalls auf wärmste Empfehlung aus dem Ministerium: "Wir können nur sehr zu interkommunaler Zusammenarbeit raten", formuliert Harm.

Ein Beispiel hierfür liefern die Städte Heiligenhaus und Mettmann: Seit Jahren verzeichnet die Heiligenhauser Gesamtschule einen extremen Einpendler-Überschuss: Eine dreistellige Anzahl Schüler kommt täglich aus Mettmann - und Heiligenhaus zahlt dafür.

Umgekehrt kann Heiligenhaus Probleme damit bekommen, ohne die Einpendler die per Gesetz auf vier Züge (Parallelklassen pro Jahrgang) ausgelegte Gesamtschule überhaupt zu füllen. Zumal die 27.000-Einwohnerstadt Heiligenhaus noch eine Realschule und ein Gymnasium (in das viele Schüler aus Hösel einpendeln) unterhält. Die Kreisstadt selbst hat derzeit keine Gesamtschule. Einen Ausweg aus dieser vertrackten Gemengelage bringen könnte ein Zweckverband. Auf die Idee kam man ursprünglich in Heiligenhaus durch eine Mahnung der Gemeindeprüfer: Der Ort habe auf lange Sicht eine weiterführende Schule zuviel. Diese Mahnung ist zwar aufgrund wieder steigender Grundschülerzahlen vom Tisch, aber die Zweckverbandsidee ist geblieben.

Beschlüsse stehen aus, aber den verschlungenen Weg zum Zweckverband kann die Heiligenhauser Schulamtsleiterin Renate Dubbert skizzieren. Das Schulgesetz gibt die Möglichkeit des Zweckverbands her (Paragraf 78/8). Es braucht dazu auf kommunaler Ebene Ratsbeschlüsse der beteiligten Städte, schulfachliche Stellungnahmen der Schulkonferenzen. Die ganze Maßnahme ist genehmigungspflichtig, zuständig sind Bezirksregierung und Kreis. "Und am Ende des Prozesses sind die Städte nicht mehr Schulträger" sagt Dubbert. Es geht allerdings auch eine Nummer kleiner - mit einer öffentlich rechtlichen Vereinbarung zwischen Kommunen.

Neben dem Thema Gesamtschulverbünde (auch in Hilden aktuell) sind die verbliebenen Hauptschulen im Kreis (siehe Grafik) Thema für Schulplaner. So geht es in Ratingen längst um die Abwicklung der letzten verbliebenen Hauptschule, in Heiligenhaus schloss die städtische Hauptschule bereits vor etlichen Jahren. In beiden Städten haben die Schulverwaltungen danach allerdings weniger schülerlenkende, als rein organisatorische Maßnahmen im Auge: Nachnutzung der Schulgebäude.

Ursachenforschung klingt bei Jörg Harm so: "Die Hauptschule ist seit Jahren von den Eltern nicht mehr gewünscht. Das war schon der Hintergrund des Schulkonsenses 2011 - und seither gibt es Sekundarschulen, die zu allen Abschlüssen führen." Eine Oberstufe haben Sekundarschulen nicht.

Auch hier gilt die Zweiteilung der Zuständigkeit: Das Schulgesetz liefert die Möglichkeit, Sekundarschulen zu gründen, die Kommune muss es wollen - und die Voraussetzungen erfüllen.

Quelle: RP
 
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