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Ratingen
Spielzeugmarkt für Liebhaber und leidenschaftliche Sammler

Ratingen. Zum 18. Mal öffnete gestern der Museumsmarkt. Zwischen nostalgischen Bärchen und historischen Schätzen leistete der Puppendoktor erste Hilfe. Von Valeska von Dolega

Der vormals kuschelige Pandabär war nicht blass, sondern strohig ums Schnäuzchen. "Vom vielen Liebhaben ist er ganz zerzaust", erklärte Christa Deges. Nicht der einzige Fall, bei dem Fingerspitzengefühl und Ideenreichtum gefragt waren, den kaputten Liebling auf Vordermann zu bringen. Als Puppenärztin hatte sie beim Museumsmarkt gut zu tun.

Zum bereits 18. Mal fand dieses schöne Sammelsurium im Museum Ratingen statt. 40 Aussteller aus ganz Deutschland und aus dem nahegelegnen Ausland trafen sich dort, um ihr wohlsortiertes Sammelsurium großer Schätzer und kleiner Außergewöhnlichkeiten zu präsentieren. Christina Becker konnte ihre Augen kaum von einem "tollen Drehkarussell", das vermittels einer Kurbel in Betrieb genommen wurde und die Puppen tanzen ließ, abwenden. "Hätte ich unbegrenzte Geldvorräte, würde ich alles kaufen." So blieb es in der ersten Runde beim "interessierten Gucken", dann sollte ausgewählt werden. "Das ist nicht leicht", beschrieb Birgit Fendroth die "gute Auswahl. Da ist so schönes Spielzeug dabei", schwärmte sie. Frisiersalons aus den 70er Jahren suchten ebenso ihren neuen Platz wie Porzellanobjekte oder viele kleinteilige Sachen, die eine jede Puppenstube komplettieren und verschönern. "Bei manchen Sachen sieht man genau, dass die ursprünglich niemals zum Spielen bestimmt waren", erklärte Sammlerin Heike Krohn mit Blick auf einige Käthe-Kruse-Accessoires wie Gänse mit langem, filigranen Hals. "Es ist total verblüffend, was so alles die Zeit überlebt hat", freute sich auch Amelie Sommer über "offensichtlich steinaltes Spielzeug, das nichts von seiner Faszination eingebüßt hat".

Manches allerdings entpuppte sich bei genauerer Betrachtung als exakte Reproduktion eines historischen Originals. "Wäre das die Käthe-Kruse-Puppe aus der damaligen Manufaktur, wäre sie jetzt unbezahlbar", erklärte Sammlerin Barbara Homann mit Blick auf eines der verblüffend exakt nachgebauten, melancholisch dreinblickend Pausbäckchen. Und dann war der Bummel entlang der verschiedenen Stände mit unterschiedlichem Angebot eine sehenswerte Zeitreise. Denn was heute grundsätzlich aus Kosten- und Sicherheitsgründen aus Plastik gearbeitet wird, bestand früher mal aus Zelluloid. "Das könnten sie nun aber keinem Kind mehr zum Spielen in die Hand drücken", weiß Heike Krohn.

Wie es ausschauen kann, wenn doch, wusste Frau Puppendoktorin Deges. Vorsichtig wickelte sie ein Tuch aus, in dem ein einziger Scherbenhaufen lag. "Vor dem Kollateralschaden war das mal ein Puppenkopf." Und ähnlich wie den puschligen Panda, dem ein Stück vom Rückenfell entnommen wird, um es um die lädierte Nase zu setzen, wird Christa Deges diesen Kopf nun neu zusammensetzen und kleben.

Quelle: RP
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