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Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
Was mit einem alten Baum steht und fällt

Ratingen. Die Diskussion um die Poensgenpark-Zeder gerät vom Hölzchen aufs Stöckchen. Allem guten Willen zum Trotz: Ein Baum der Erkenntnis kommt bisher nicht dabei heraus.

Nein, darauf wäre der forstwirtschaftlich Unbelehrte nie gekommen: Einem 200 Jahre alten Baum droht - vielleicht - das Ende per Kettensäge. Und eine ganze Stadt schreit Zeder und Mordio.

Je länger die Diskussionen anhalten, desto mehr scheint es an der Zeit, die Dinge mal aus der Wipfel- oder Wurzelperspektive eines beliebigen Nachbarbaums zu betrachten. Und schon geht alles vom Emotionalen ins eher Hölzerne über. Denn eigentlich ist die Sache doch klar: Die Zeder ist ein Prachtstück. Und es wäre zum Weinen, wenn Spaziergänger im beliebten Park künftig nur noch einen Stumpf oder gar nichts mehr an ihrer Stelle zu sehen bekämen. Aber die Schlussfolgerungen sind falsch, die aus diesem Befund gezogen werden. Bürger dürfen, Lokalpolitiker sollten sich jederzeit gern aufgerufen fühlen, wenn es darum geht, ein wertvolles Stück Heimat zu schützen. Bloß: Bei Bäumen funktioniert das so nicht. Fast ist man versucht zu schreiben: Die Bäume haben da ein Wörtchen mitzureden. Wer jetzt ein Problem mit der Idee vom sprechenden Baum hat, der tröste sich in J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe", Stichwort "Ents". Dies sind bekanntlich große, baumartige Wesen, die von Eru für Yavanna geschaffen wurden, um die Wälder von Mittelerde zu beschützen. Ent ist ihr Name in der Sprache von Rohan, von den Elben werden sie "Onodrim" genannt. Über all das belehrt "ardapedia" zuverlässig. Nur der Zeder im Poensgenpark nützen diese Wesen nichts, weil Ratingen bisher nicht zu Mittelerde gehört. Also zurück in die Gegenwart, die so gar nichts gemein hat mit mythischen Gewächsen. Schon deswegen nicht, weil die Zeder (im Gegensatz zu den Ents) alles andere als wehrhaft ist. Und sollte sie wirklich innendrin so morsch sein, dass sie eine Gefahr darstellt - dann hilft auch kein feuchter Umschlag aus gefalteten Stadtratsunterlagen mehr, um sie zu retten. Merke: Einen gesunden Baum kann man nicht beantragen. Und Abstimmungsergebnisse bestenfalls als stillen Gruß in die Rinde ritzen. Stattdessen ist jetzt noch mehr Expertise gefragt. Ein weiterer Fachmann dürfte letztinstanzlich feststellen können, wie es um die Zeder steht. Oder ob sie fällt. Und das interessierte Publikum sollte eigentlich davon ausgehen dürfen, dass hier keine leichtfertige Entscheidung getroffen wird. Bis dahin hilft nur: auf Holz klopfen.

Quelle: RP
 
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