| 00.00 Uhr

Frank Mendack
Wer aufsteigen will, der wechselt

Frank Mendack: Wer aufsteigen will, der wechselt
Frank Mendack muss als Personaldezernent der Stadt Ratingen stets alle Abteilungen im Auge behalten. Derzeit hat er keine Probleme, Nachwuchs für den mittleren Dienst zu bekommen. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Der Personaldezernent der Stadt Ratingen zur aktuellen Lage in der Verwaltung.

Wenn man der Politik glauben mag, ist es um die Personalsituation im Rathaus derzeit alles andere als gut bestellt.

Frank Mendack Man muss Stellen und Personal unterscheiden. Für die Leitungsposition im Planungsamt trifft das allerdings zu. Ansonsten handelt es sich nur um eine klassische Fluktuation, die zu erhöhten Einarbeitungszeiten führt. Gerade im technischen Bereich haben wir seit 2012 mehr als 30 Stellen intern und extern nachbesetzen müssen. Dazu kommen aktuell einige Mutterschaftsfälle, was an sich ja sehr erfreulich ist.

Gerade im Baubereich merkt der Bürger das aber. Wie steuert die Verwaltung hier gegen?

Mendack Wir besetzen zeitnah ohne Wiederbesetzungssperre und müssen im Einzelfall besonders dringende Sachen vorziehen. Dass das nicht immer glatt läuft, liegt auf der Hand - neue Mitarbeiter müssen eingearbeitet werden. Wobei ich persönlich den Grundsatz vertrete, dass man eine Stelle lieber ein Jahr unbesetzt lassen sollte als sie zehn Jahre falsch zu besetzen.

Was sind Gründe der hohen Fluktuation? Unzufriedenheit mit dem Dienstherrn?

Mendack Nein, das ist Altersfluktuation und die Chance, sich beruflich weiterzuentwickeln zum Beispiel in mittlere Führungspositionen, die bei uns zurzeit einfach nicht vakant sind. Deshalb wechseln in einigen Fällen jüngere Kollegen, die aufsteigen wollen.

Ist der öffentliche Dienst grundsätzlich nicht interessant oder attraktiv?

Mendack Der Tarifvertrag ist für den technischen Bereich einer Stadtverwaltung in der Tat nicht attraktiv genug. In der freien Wirtschaft kann man wesentlich mehr verdienen, auch als Berufseinsteiger. Normalerweise fängt ein Berufseinsteiger mit der Entgeltgruppe 9 an, das sind durchschnittlich als Anfänger 1600 Euro. Damit können Sie heute kein Rennen mehr gewinnen.

Ist es dann nicht möglich, Stellen höherwertig auszuschreiben?

Mendack Das tun wir in Einzelfällen und haben damit auch Erfolg. Wir müssen nur darauf achten, dass wir die Bezahlstruktur im Hause nicht verzerren. Denn das würde völlig zurecht bei den alten Kollegen zu Unmut führen.

Mal davon abgesehen: Ist es im öffentlichen Dienst überhaupt möglich, Mitarbeiter zu motivieren? Es gibt ja keine wirklichen Anreize.

Mendack Die Ansätze zur Leistungsmotivation wie die leistungsorientierte Bezahlung im Tarifvertrag sind meiner Meinung nach gescheitert. Seit zehn Jahren reden die Tarifpartner darüber, aber letztlich schütten fast alle nach dem Gießkannenprinzip aus. Möchte man das wie bei uns im Beamtenbereich auf 30 Prozent der Leistungsträger herunter brechen, scheitert auch dies.

Es ist ja auch schwer in der Verwaltung, die Vorstellungen des Dienstherren mit denen des Personalrats in Einklang zu bringen?

Mendack Das ist in Einzelfällen so. Und das liegt an den unterschiedlichen Blickwinkeln, die wir logischerweise auf die Situation haben. Es ist nicht immer einfach, da zu einem Konsens zu kommen. Wichtig ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Und die haben wir hier.

Lassen Sie uns auf die klassischen Verwaltungsbereiche blicken: Was macht der Nachwuchs dort?

Mendack Wir haben in diesen Bereichen keine Probleme, Nachwuchs zu bekommen. Gerade für den mittleren Dienst haben wir aktuell einen erhöhten Bedarf und stellen deshalb auch mehr junge Leute ein als in den Jahren zuvor. Aufgrund unserer Haushaltssituation und unseres Personalkonsolidierungskonzepts haben wir nicht nur kurz- sondern auch mittelfristig die Voraussetzungen geschaffen, um alle Nachwuchskräfte im Verwaltungsbereich übernehmen zu können.

WOLFGANG SCHNEIDER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Frank Mendack: Wer aufsteigen will, der wechselt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.