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Ratingen
Wie Frau Holle Familien hilft

Ratingen. Sozialpädagogin Karin Holle kümmert sich bei der Neander-Diakonie um Jugendhilfe und Migration. Von Gabriele Hannen

Es liegt in der Natur der Wertschätzung eigener Leistung, dass sich eine zeitlebens berufstätige Frau nicht über ihr Geschick beim Bettenbeziehen oder ihre Eleganz beim Brotschneiden definiert. Sie redet, je nach Disposition, vielleicht gern über ihr Zuhause, landet aber unweigerlich immer wieder beim Beruf, heute gern auch Job oder Karriere genannt. So ergeht es auch mit Karin Holle, der Frau, die nie auf ihren Nachnamen verzichten würde. Und die sicher anders unterwegs ist als die gleichnamige Frau bei den Brüdern Grimm.

Dafür lobt Tochter Emma, zwölf Jahre alt und wacker an der Seite der berufstätigen Mutter herangewachsen: "Sie kann wirklich gut kochen". Also ist das schon mal geklärt. Karen Holle ist beruflich Abteilungsleiterin in der Region Ratingen der Neander-Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann und zuständig für Jugendhilfe und Migration - einer Stelle, an der die so genannten Soft Skills, die "weichen Fähigkeiten", gefragt sind - nicht gerade Kochen, aber kommunikative Stärke, Teamfähigkeit, effizientes ergebnisorientiertes Arbeiten, Kreativität, Flexibilität und Anpassungsvermögen. Daran muss man dann täglich arbeiten. Karen Holle wurde 1968 geboren, als zeitgemäße Eltern mit Protest unterwegs waren. Das scheint ihr für ihr Zuhause in Erlangen nicht erwähnenswert. Nach der Schule ein Frauenberuf, drei Jahre gar nicht mal ungern verrichtet: Sie ist Erzieherin, macht in Krefeld im Kresch-Theater mit und setzt sich dort mit der Theaterarbeit für Kinder, für Stadtteile, mit Lehrern auseinander. Dann arbeitet sie in einem Kindergarten. Und, wie es Frauen in sozialen Berufen so oft geht - sie legen gern noch ein Schüppchen Bildung drauf, wollen weiterkommen. So studierte auch sie vier Jahre in Düsseldorf Sozialpädagogik, und das mit Abschluss. In einem Projekt für langzeitarbeitslose Frauen der Stadt Krefeld gab es Interessantes zu stemmen. Drei Jahre lang arbeitete sie mit Hauptschulabsolventen, die sich auf einen Berufsanfang vorbereiten. Es gab hier und dort zu tun - Karen Holle griff zu und packte an.

Nun ist sie seit Beginn des Jahres in ihrer jetzigen Position, koordiniert unter anderem die Familienhilfe. Und was ist das? An dieser Stelle hilft die Selbstbeschreibung der Diakonie: "Immer mehr Kinder wachsen in Patchworkfamilien oder bei alleinerziehenden Müttern und Vätern auf. Viele halten in Schule und Ausbildung den Leistungsanforderungen nicht stand. Psychische und verhaltensbedingte Probleme nehmen zu, finanzielle Gegebenheiten grenzen Kinder, Jugendliche und Familien aus". In Ratingen seien jährlich rund 30 Familien zu betreuen, die vom Jugendamt unterstützt und gefördert würden. "Die Mitarbeiter verstehen sich als Unterstützer auf Zeit. Sie beenden ihre Tätigkeit im Einvernehmen mit den Kindern, Jugendlichen und Familien und hoffen, dass Schwierigkeiten überwunden sind". In dem Zusammenhang fällt das schöne Wort "Erziehungsbeistandsschaft", das Karen Holle flüssig über die Lippen geht. Womit sie zeigt, dass sie inzwischen auch eine leitende Frau der Verwaltung ist. Aber auch das tut sie gern. Immerhin gibt es noch genug Zwischenmenschliches zu regeln, Förderaktionen zu besprechen, im Team Prozesse zu diskutieren.

Wahrscheinlich macht Karen Holle das dann so, wie es Marie-Luise Otten beschreibt, die ihr fast familiär verbunden begegnet: "Ganz besonders sympathisch ist mir ihre positive, offen-fröhliche Art."

Quelle: RP
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