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Remscheid
Abgestorbene Bäume werden zum Lebensraum für Waldbewohner

Remscheid. Schilder weisen an der Eschbachtalsperre jetzt auf so genannte Biotopbäume hin. Damit wird ihre Wichtigkeit für das Ökosystem betont. Von Hagen Thiele

Auf den ersten Blick wirkt die alte Buche im Wald oberhalb der Eschbachtalsperre einfach nur wie totes Holz. In Folge eines Pilzbefalls trocknete der Baum zuerst aus und splitterte dann in beachtlicher Höhe.

Der erste Eindruck täuscht. Als Biotopbaum dient die Buche als Lebensraum für eine ganze Schar an Tieren. Von Pilzen und Insekten bis hin zu Fledermäusen und Eichhörnchen finden die unterschiedlichsten Waldbewohner in dem vermeintlich toten Baum Unterschlupf.

Bürgermeister David Schichel (Grüne) brachte am Donnerstag als symbolischen Schutz eine PEFC-Plakette an der Buche an, um auf ihre Bedeutung aufmerksam zu machen. PEFC ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung "Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes", einer Institution, die nachhaltige Waldwirtschaft als unabhängige Institution zertifiziert.

"Da solche Bäume Lebensraum für zahlreiche Tiere sind, wollen wir sie gesondert markieren, obwohl eigentlich der gesamte städtische Wald nach PEFC-Standards zertifiziert ist", erklärte der Revierförster Stephan Nöh.

Bereits seit 2001 hat sich die Stadt Remscheid zu nachhaltiger und naturnaher Waldwirtschaft verpflichtet. Damit befindet sich Remscheid in guter Gesellschaft. "Über 70 Prozent der Waldbesitzer haben ihre Wälder zertifizieren lassen", sagte PEFC-Regionalassistentin Cornelia Schulz. Häufig sei es auch gar nicht mehr möglich, Holz zu verkaufen, das nicht aus nachhaltiger Waldwirtschaft stamme, da das Bewusstsein der Käufer für das Thema gewachsen sei.

"Wir sind immer bemüht, den Wald als Erholungs- und Wirtschaftsraum zu sehen", sagte Schichel. Das führt bei Spaziergängern, die in erster Linie auf Erholung aus sind, manchmal zu Verwirrung. "Oft denken die Remscheider, dass der Wald nicht gut gepflegt sei, wenn umgefallene Bäume liegen gelassen werden, dabei ist das für Waldtiere genau richtig", erklärte Nöh. Auch Baumfällungen gehören im Rahmen nachhaltiger Waldnutzung und -pflege aus verschiedenen Gründen dazu.

Markus Wolff, der Leiter des Stadtforstamtes, betonte gestern vor Journalisten, dass der Wald auch ein Wirtschaftsraum sei, den man entsprechend nutzt. Nachhaltigkeit bedeute dabei, dass nur so viele und solche Bäume gefällt werden, dass ein Dauerwald entsteht. Das heißt, junge Bäume stehen neben älteren Exemplaren. Dadurch sei der Wald auch gegen natürliche Schäden wie etwa durch Stürme besser geschützt, da stets eine bereits nachwachsende Baumgeneration heranreift.

Quelle: RP
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