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Serie Nachtschicht (3)
Barkeeper bewahrt im Trubel Ruhe

Serie Nachtschicht (3): Barkeeper bewahrt im Trubel Ruhe
Kritischer Blick - "Ist das Glas sauber?" Philipp Reinshagen poliert noch einmal nach, ehe er sich wieder seinen Gästen im Saxo zuwendet. Die Bar ist für viele Menschen "ihre" Stammkneipe, in der es immer wieder auch mal Livemusik gibt. FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Remscheid. Während viele Remscheider ihren Feierabend genießen oder schlafen, schieben andere Spätdienst. Wir stellen in einer Reihe Menschen vor, deren Uhren anders ticken müssen. Philipp Reinshagen arbeitet seit 14 Jahren als Barkeeper im "Saxo".

Es ist irgendwann zwischen Freitag und Samstag. Im Saxo sind nicht nur alle Tische belegt, sondern fast auch jeder Quadratmeter an Stehfläche. Die wabernde Masse aus Gästen lacht, trinkt, und bestellt neue Getränke. Geschickt bahnt sich eine Gestalt ihren Weg durch die Leiber und trägt dabei ohne einen Tropfen zu verschütten ein paar randvolle Gläser an den nächsten Tisch. Dort nimmt sie noch Bestellungen auf, geht zum Tresen, um zu zapfen und rechnet kurz einen Deckel - also die Rechnung eines Kunden - ab.

Nachschub - als Kneipier muss man auch mal richtig zupacken und solche Bierkisten schleppen. FOTO: Moll, Jürgen (jumo)

Was manchen Besuchern beim bloßen Zusehen vor Stress die Schweißtropfen auf die Stirn treibt, ist für Philipp Reinshagen nach 14 Jahren Arbeit im Saxo Selbstverständlichkeit. "In jedem Job gibt es doch so Momente, wo andere sich wundern, dass man das schaffen kann", sagt der 40-jährige Remscheider, der viermal die Woche im Saxo den Gästen Getränke serviert, Kummerkasten spielt und Whisky-Auskunft gibt.

"Wie hieß der eine Whisky noch gleich?", fragt ein Mann, während Reinshagen gerade mit der nächsten Bestellung im Kopf zurück zur Theke geht. Die Sorte kennt er und zeigt auf den Dalwhinnie. Kennt er etwa inzwischen jeden Standort? "Das konnte nur Mike, ich weiß es bei etwa der Hälfte", sagt er. Dass so viele Aufgaben gleichzeitig auf ihn einprasseln, stört Reinshagen nicht. "Je voller es wird, desto entspannter bin ich", sagt ! er.

Bier, Whisky, Kaffee, Cocktails oder auch mal nur Wasser - Philipp Reinshagen reicht jedes Getränk mit freundlicher Miene über den Tresen. FOTO: Moll, Jürgen (jumo)

Im Gesprächstumult der Besucher geht das Surren der Kaffeemaschine fast unter, während der 40-Jährige passend zur Jahreszeit eines der Getränke zubereitet, an denen er weniger Gefallen hat. "Das nimmt immer so viel Zeit weg", meint Reinshagen und gibt zu, dass Gleiches auch für Cocktails gilt. "Die machen mir aber immerhin Spaß", sagt er grinsend.

Spaß macht ihm der Job auch insgesamt. In seinen kurzen Raucherpausen bleibt für den erfahrenen Barkeeper immer ein Moment Zeit, um mit den Besuchern zu reden. Dabei schweift sein Blick jedoch fast unmerklich umher. Manchmal hat man beinahe den Eindruck, er wüsste vor den Gästen selbst, wer noch etwas zum Trinken bestellen möchte. "Im Laufe der Jahre entwickelt man dafür ein Gespür", erklärt Reinshagen, der mit wachsamem Auge eine neue Runde dreht und trotz dutzender Bestellungen die Ruhe in Person bleibt.

Als er zapfen will, zeigt sich, dass ein Fass zur Neige geht. Das ist der Moment, um noch einmal durchzuatmen und auch die lauten Gespräche der vollen Bar hinter sich zu lassen. Für den Fasswechsel muss der 40-Jährige in den Keller vom Saxo gehen. "Das sind mal ein paar Sekunden voller Ruhe", meint er.

Nach 14 Jahren weiß der Barkeeper auch, wann es Zeit wird, die letzte Runde einzuläuten. Meist ist es irgendwann gegen 4 Uhr so weit. Wenn der letzte Gast bezahlt hat, erledigt Reinshagen noch ein paar Handgriffe. Er wischt die Tische und Theke, füllt die Getränkevorräte mit neuen Flaschen aus dem Keller auf und kehrt abschließend einmal durch.

Seine Nachtschicht ist jetzt beendet.

Quelle: RP
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