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Remscheid
Calidore String Quartet: Perfekte Harmonie auf 16 Saiten

Remscheid: Calidore String Quartet: Perfekte Harmonie auf 16 Saiten
Beim 3. Meisterkonzert der aktuellen Spielzeit war das "Calidore String Quartet" aus Kalifornien im Remscheider Teo Otto Theater zu Gast. FOTO: Zhai
Remscheid. REMSCHEID War das Teo Otto Theater am Dienstagabend beim Besuch des Kängurus noch praktisch ausverkauft, haben gestern rund 50 Zuhörer den Weg ins Theater-Foyer gefunden, um vier absoluten Ausnahmemusikern aus Kalifornien zuzuhören. Beim 3. Meisterkonzert der aktuellen Spielzeit war das "Calidore String Quartet" aus dem westlichsten Bundesstaat der Vereinigten Staaten in Remscheid zu Gast. Der Name rührt dabei von den beiden Worten "California" und "doré" (golden) her: Das preisgekrönte Ensemble hatte in seinem gut anderhalbstündigen Programm tatsächlich die musikalische Diversität ihrer Heimat, des "goldenen" Bundesstaates mitgebracht. Von Wolfgang Weitzdörfer

Jeffrey Myers und Ryan Meehan an den Violinen, Jeremy Berry an der Viola und die Cellistin Estelle Choi verknüpften in ihrem Konzert die europäische Musik mit dem amerikanischen Perfektionismus. Was dann allerdings keineswegs zulasten der natürlichen Schönheit der Musik ging - Perfektionismus hat ja die Tendenz, das Dargebotene schnell kalt und klinisch wirken zu lassen.

Das Gegenteil war beim Calidore String Quartet der Fall. Romantisch stiegen die vier Musiker mit Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett Nr. 3 in D-Dur ein. Dabei brach sich vor allem in Myers' Violinenspiel oftmals eine romantische Schwelgerei in den süßen Melodien Bahn. Myers solierte bis in die höchsten Lagen absolut rein und glockenklar, entlockte seinem Instrument sowohl sanfte Pianissimo-Klänge als auch kräftig donnerndes Forte. Und auch seine drei Mitmusiker taten es ihm in Sachen Spielkunst gleich. Sogar als das Quartett an einer besonders leisen Stelle von einem laut brummenden Stadtbus vor dem Theater fast übertönt wurde, kam die große Klasse der Musiker immer noch durch.

Ein musikalisch ganz anderes Kaliber als der hochmelodische Mendelssohn, war dann Dmitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 9 in Es-Dur, das als zweites Werk der ersten Hälfte geboten wurde. Zunächst stand die Viola von Berry mit ihrem dunkel-verführerischen Klang im Mittelpunkt, dazu kam eine oft vorherrschende latente Dissonanz in den Harmonien, die eine unterschwellige Energie transportierte, der man sich kaum entziehen konnte. Im Allegretto zeigte sich dann ein weiteres Mal die absolute Ausnahmestellung des Ensembles. Von majestätischen Cello-Klängen einerseits ging es über federleichte Läufe auf der Violine zum erstaunenden Pizzicato der restlichen Instrumente.

An den furiosen Stellen wirkten die Musiker wie ein wilder Gebirgsbach, der die Steine im Weg ganz einfach und voller natürlicher Eleganz umschiffte. Und in den leisen Momente waren sie einer Feder gleich, die sanft über den Handrücken der Geliebten gleitet, so dass sich die feinen Härchen dort von ganz alleine aufrichten. Entsprechend lautstark war der Applaus. Den bekam das Quartett auch zum abschließenden Streichquartett in C-Dur von Ludwig van Beethoven. Auch dort begeisterte vor allem das traumwandlerisch sichere Zusammenspiel, das die bloße Existenz von schiefen Tönen oder schrägen Harmonien ins Reich der Unmöglichkeit katapultierte.

Dass das Quartett diese Perfektion das ganze Konzert über aufrechterhalten konnte - und nebenbei noch ganz selbstverständlich eine Zugabe von Wolfgang Amadeus Mozart brachte - , war ebenfalls ein Beispiel dafür, welchen musikalischen Hochkaräter man da ins Remscheider Teo Otto Theater gelockt hatte.

Was für ein erfrischend schöner und musikalisch enorm hochwertiger Abend: ein echtes Meisterkonzert eben.

Quelle: RP
 
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