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Remscheid
Das Glück, von fremden Menschen beschenkt zu werden

Remscheid. Die Leser der Bergischen Morgenpost können Heimbewohnern Weihnachtswünsche erfüllen. Von Stefanie Bona

Seit knapp zwei Jahren lebt Inge Lehmkämper in der Stockder Stiftung. "Zu Hause bin ich desöfteren gefallen. Nachdem ich im Krankenhaus war, ging es dann nicht mehr alleine", erzählt die Seniorin mit unverkennbarem sächsischen Zungenschlag. Als junge Frau kam sie von ihrer Heimatstadt Leipzig "schwarz über die Grenze".

Dann lernte sie ihren Mann kennen, den es beruflich nach Remscheid verschlug. Seither war die Familie in der Werkzeugstadt zu Hause. Mehrere Jahre war das Ehepaar mit einem Lebensmittelgroßhandel selbstständig. "Leider Gottes haben die Kunden nicht immer pünktlich bezahlt. Letztlich haben wir das Geschäft aber aus Altersgründen aufgegeben", erzählt die heute 85-Jährige. Sie selbst arbeitete zudem als Verkäuferin in einem Warenhaus in Dortmund. Als ihr Mann starb, begegnete sie der Leere daheim mit einer neuen Aufgabe. "14 Jahre habe ich ehrenamtlich für die Remscheider Tafel gearbeitet. Das hat mir immer sehr viel Freude bereitet", sagt sie lächelnd. Darüber, dass die Pflegekosten in der Senioreneinrichtung die eigene Rente aufbrauchen, beklagt sich Inge Lehmkämper nicht. "Man wird ja hier versorgt und ansonsten bin ich bescheiden, wie ich immer sparsam gewesen bin."

Was ihr wichtig ist, sind die Besuche bei ihrem Sohn, der leider schon in jüngeren Jahren auf Pflege angewiesen ist und in einer anderen Remscheider Einrichtung lebt. Die Fahrten zu ihm unternimmt sie mit dem Taxi, dessen Kosten sie genau wie Friseur, Fußpflege, Medikamentenzuzahlung und hin und wieder kleinere Wünsche von ihrem Budget bestreiten muss.

Als sie im vorigen Jahr zum ersten Mal die Weihnachtstage in der Stockder Stiftung verlebte, wurde sie vom Sozialen Dienst des Hauses gefragt, ob sie sich nicht gerne an der Geschenkaktion beteiligen wolle. "Ich kannte das ja gar nicht. Aber dann habe ich mir doch etwas gewünscht und mich sehr gefreut. Alleine die Geste, dass fremde Menschen mir etwas schenken, ist toll", sagt die Seniorin zur von den Pflegeheimen Haus Lennep und Stockder Stiftung, der Barmer GEK und der Bergischen Morgenpost seit Jahren durchgeführten Aktion. Genau wie 2014 hat sie auch diesmal Drogerieartikel auf den Wunschzettel geschrieben.

Und eine moderne Kette, die hätte sie auch gerne. "Zu diesem Wunsch mussten wir Frau Lehmkämper fast ein bisschen überreden", verweist Sozialarbeiterin Gabi Radig auf die Bescheidenheit der alten Dame. Dass die Gefühlslage an den Feiertagen im Alter eine andere ist, als zu früheren Zeiten, verhehlt Inge Lehmkämper nicht. "Man hat eine eigenartige Stimmung, wenn man alleine ist. Das geht manchmal schon unter die Haut und es gibt auch Tage, an denen hat man sehr nah am Wasser gebaut." Diese Emotionen kennen die Pflegekräfte und das Team des Sozialen Dienstes sehr genau.

"Am Heiligen Abend feiern wir morgens erst einen Gottesdienst gemeinsam. Und nachmittags wird in den Wohnbereichen gefeiert", berichtet Gabi Radig. Überhaupt sorge man gerade an den Weihnachtstagen für Programm und damit für Abwechslung. Damit das Alleinsein denen, die keine Besuche zu erwarten haben, nicht ganz so schwer fällt.

Quelle: RP
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