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Remscheid
Einblicke in das Gewissen eines Doppelmörders

Remscheid. Im WTT zeigte das Freie Internationale Ensemble von Aydin Isik eine Version von Dostojewskis "Schuld und Sühne". Von Hagen Thiele

Können 1000 gute Taten ein Verbrechen aufwiegen oder doch eher 20 Jahre Arbeitslager? "Schuld und Sühne" von Fjodor M. Dostojewski zählt zum Kanon der Weltliteratur und setzt sich mit der Frage nach Schuld auseinander. Besonders die Hauptfigur des Raskolnikow stellt dabei unsere konventionellen Vorstellungen von Moralität auf eine harte Probe. Aydin Isik brachte den Roman mit dem Freien Internationalen Ensemble auf die Bühne des Westdeutschen Tourneetheaters. Die Gastkompanie schaffte es, der vielschichtigen Vorlage gerecht zu werden, und packte das Publikum, das während des Stücks wie gebannt das Geschehen verfolgte. Am Ende würdigten die Besucher die Darsteller mit minutenlangem Applaus. Dostojewkskis Werk handelt vom mittellosen Studenten Raskolnikow, der sich trotz seiner Armut für jemanden hält, der anderen eigentlich überlegen ist. Für ihn gibt es eh nur zwei Arten von Menschen: die gewöhnlichen und die außergewöhnlichen, die Grenzen überschreiten, um Großes zu erreichen. Mit dem Mord und dem anschließenden Raub an der alten Pfandleiherin Iwanowna möchte Raskolnikow die Grenzen überschreiten, in die er mit seiner vererbten Armut geboren wurde.

Doch die Schwester seines Opfers kehrt früher heim und so bringt er auch sie um. Nicht nur die Polizei macht dem Doppelmörder zu schaffen, sondern auch sein Gewissen. Felix Höfner als Raskolnikow war trotz einer hervorragenden Gesamtleistung des Ensembles der Fixpunkt einer jeden Szene. Der Schauspieler meisterte es, die dutzenden Nuancen und Abgründe seiner Figur mit der nötigen Intensität auf die Bühne zu bringen, ohne dabei über das Ziel hinauszuschießen und sie zu einer überzeichneten Ansammlung von Stereotypen werden zu lassen. Trotz exaltierter Darstellung von Wut, Verzweiflung, Freude und auch Irrsinn, bei dem es dem Zuschauer kalt den Rücken herablaufen konnte, bot Höfner ein Spiel, das Platz für feine Akzente ließ.

Doch auch die anderen Darsteller überzeugten. Sei es Hanno Dinger als scharfsinniger Kommissar, Dominique Mona Güttes als Prostituierte Sonja oder auch Bettina Muckenhaupt, die die Pfandleiherin derart unsympathisch anlegte, dass man Raskolnikow die Mordwaffe am liebsten selbst in die Hand gelegt hätte.

Besonders starke Momente verzeichneten Sandra Pohl und Slim Weidenfeld, wenn die Darsteller die Stimmen verkörperten, die der mörderische Student vor und nach seiner Tat hörte.

Weitere Termine für die Aufführung im Westdeutschen Tourneetheater sind für den 6. und 14. Mai geplant.

Quelle: RP
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