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Serie Stadtgeschichte(n)
Fabrikant mit großem Herz für Arbeiter

Serie Stadtgeschichte(n): Fabrikant mit großem Herz für Arbeiter
Ein Gemälde des Düsseldorfer Künstlers Hans Kohlschein ziert den Ehrenbürgerbrief für den Remscheider Fabrikanten Moritz Böker. Der Maler zeigt die beteiligten Stadtverordneten symbolisch verfremdet in ihrer mittelalterlichen Stände- oder Berufskluft. FOTO: Stadtarchiv/Repro Jürgen Moll
Remscheid. In einer Serie stellen wir besondere Fundstücke aus dem Remscheider Stadtarchiv vor. Es sind historische Dokumente, die Geschichte und Geschichten erzählen - wie die des Ehrenbürgers Moritz Böker im Jahr 1925. Von Bernd Bussang

So wie auf dem Gemälde des Düsseldorfer Künstlers Hans Kohlschein (1879-1948) ist es sicher nicht gewesen. Es zeigt die Remscheider Ratsherren symbolisch in ihrer mittelalterlichen Stände- und Berufstracht vor dem Remscheider Rathaus. Die Gesichtszüge des Geehrten dürften schon eher der Realität im Jahr 1925 entsprechen. Ernst schüttelt Moritz Böker dem Oberbürgermeister die Hand und erhält von ihm den Ehrenbürgerbrief der Stadt.

Doch wer war Moritz Böker, und wie hatte er sich verdient gemacht? Böker (1853-1933) stammte aus einer Remscheider Fabrikantendynastie. Die Böker-Villa, in der derzeit noch die Musik- und Kunstschule untergebracht ist, trägt ihren Namen. 1954 hatten die Brüder Heinrich und Robert Böker an der sogenannten "Wendung", der Straße nach Solingen, eine Dampfschleiferei eröffnet. Später kamen ein Walzwerk und eine Gussstahlhütte hinzu. 1875 übernahm Moritz Böker die Stelle des zweiten Direktors. Er wurde später Stadtverordneter und IHK-Präsident. Sein Engagement für seine Arbeiter und das Gemeinwohl zeichneten ihn aus. 1887 gründete er einen Bauverein, der Grundstücke auf dem Honsberg und am Loborn erwarb. Einem 1920 gegründeten Siedlungsverein stellte er Baumaterial und auf der Bökerhöhe von der Stadt erworbene und bebaute Grundstücke zur Verfügung. Bis 1929 wurden dort 129 Häuser bezogen, von denen 75 Prozent Bökers Arbeiter bewohnten. Auch zahlreiche private Stiftungen gehen auf ihn zurück.

Die Liste der Ehrenbürger Remscheids, Lenneps und Lüttringhausens (bis zur Eingemeindung 1929) ist lang (siehe unten). Häufig sind es lokale Persönlichkeiten, die das Stadtgeschehen prägten. Mit auswärtigen Ehrenträgern hatte Remscheid weniger Glück. Die Ehrenbürgerwürden Hitlers und des Hohenzollernprinzen August Wilhelm, genant Auwi, wurden aberkannt. Reichsgründer Bismarck behielt sie.

Quelle: RP
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