| 00.00 Uhr

Remscheid
Gregorianische Gesänge in der Passionszeit

Remscheid. Citykirche geht neue Wege im Gottesdienst.

Mit den KuK-Gottesdiensten geht die Stadtkirchengemeinde Remscheid neue Wege. "Kirche und Kirchenmusik" bot am Sonntag für eine evangelische Kirche ungewohnte Klangbilder. In zwei Workshops hatte Kantorin Ursula Wilhelm einen zehnköpfigen Projektchor in die Welt der Gregorianik eingeführt und für den Gottesdienst verschiedene Gesänge der Passionszeit und Psalmvertonungen einstudiert. Die Liturgie passte sich dem Ausflug in die Kirchenmusik des Mittelalters mit den in lateinischer Sprache gesungenen Texten einschließlich vertonten Fürbitten und Vater Unser an.

Der Gottesdienst nach den Formen des Stundengebets, so erklärte Pfarrer Siegfried Landau zu Beginn, sei aber durchaus auch Teil des evangelischen Gesangbuchs. Bis auf eine zeitweise Begleitung durch die von Ursula Wilhelm gespielte Portativ-Orgel - ein Nachbau eines vom Mittelalter bis zur Renaissance weit verbreiteten Instruments - folgte der Vortrag dem für den gregorianischen Choral typisch unbegleiteten Gesang. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand der Psalm 22 "A Cornibus unicornium", wo es heißt "Errette mich aus dem Rachen des Löwen und vor den Hörnern der Einhörner." Eine Bibelstelle, die sicherlich nicht zu den in der Öffentlichkeit präsentesten Texten gehört, an die aber bei genauem Hinsehen in vielen Kirchenfenstern erinnert wird. Auch außerhalb der Gotteshäuser kommt das Einhorn bis heute zur Geltung - sei es als Spielzeug kleiner Mädchen oder im traditionsreichen Namen vieler Apotheken. Darauf und auf das Fabeltier als Symbol des Schutzes, dem besondere Heilkräfte zugesprochen werden, wies Pfarrer Siegfried Landau in seiner Predigt hin.

Gleichzeitig stehe das Einhorn sinnbildlich für existenzielle Bedrohung und sei damit der tiefste Ausdruck der Passion. Somit bot der gut vorbereitete Gottesdienst enge Beziehungen zwischen Musik und Wort. Das, was der Chor innerhalb kurzer Zeit mit bemerkenswerter Qualität einstudiert hatte, griff Pfarrer Landau auf und brachte den Gläubigen Musik, Textauswahl und Bibelauslegung näher.

(bona)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Remscheid: Gregorianische Gesänge in der Passionszeit


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.