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Remscheid
Humor mit albtraumhaften Zügen

Remscheid. Die Hückeswagener Künstlerin Elisabeth Kaiser-Arentz arbeitet seit über 25 Jahren mit Linolschnitten. Von Wolfgang Weitzdörfer

Es ist ein typisches Künstleratelier: hell, lichtdurchflutet - und alle Ecken, Wände und sogar die Dachschrägen sind mit Zeichnungen, Bildern, Drucken sowie Plakaten von Ausstellungen behängt und vollgestellt. Bei der Hückeswagener Künstlerin Elisabeth Kaiser-Arentz, die sich seit Ende der 1980er-Jahre vor allem dem Linolschnitt verschrieben hat, spielt sich das künstlerische Leben im Dachgeschoss ihres Hauses ab. Den Linolschnitt kennt sprichwörtlich jedes Kind: "Das ist eine Technik, die noch heute in den Schulen im Kunstunterricht gelehrt wird", sagt Kaiser-Arentz, die selbst ursprünglich Lehramt mit dem Schwerpunkt Kunst und Kunsterziehung an der damaligen Pädagogischen Hochschule in Dortmund studiert hatte. "Als dann aber die Familie kam, bin ich aus dem Atelier nicht mehr herausgekommen", sagt die 74-Jährige schmunzelnd.

Über 60 Einzelausstellungen und noch viel mehr Ausstellungsbeteiligungen in ganz Deutschland, aber auch im Ausland, etwa in Frankreich kann sie vorweisen. An ihre erste Ausstellung kann sich die gebürtige Duisburgerin, die mit ihrer Familie Anfang der 1970er-Jahre nach Hückeswagen gezogen ist, noch erinnern: "Das war irgendwann in den späten 60ern, noch an der Uni in Dortmund. Meine erste Ausstellung in Hückeswagen war indes im Jahr 1975 im Schloss."

Wenn Kaiser-Arentz nicht schlafen kann, entwickelt sie ihre Ideen. "Ich mache keine Skizzen, ich habe die Linolplatte vor mir liegen und ritze los. Ich habe das Bild meist schon grob im Kopf. Der Titel und die Idee, die das Bild behandeln soll, entstehen gleichzeitig", sagt Kaiser-Arentz.

Die Linolplatte verändert sich dabei nach und nach durch die Schnitte, die die Künstlerin führt, um das Bild Schicht für Schicht zu vervollständigen. Die einzelnen Schnittstadien, die immer detaillierter werden, druckt Kaiser-Arentz in verschiedenen Farben auf einen leichten Karton. "Freihändig, auch deswegen ist jedes Bild ein Unikat", betont die 74-Jährige.

So entstehen oft großformatige, manchmal auch etwas kleinere, Werke, die den Betrachter nicht mehr loslassen. Figurativ sind die Bilder, aber auf teils absurde, karikaturistische abstrahierende Weise. "Ich mache keine informelle Kunst, die kann ich nicht ausstehen", sagt Kaiser-Arentz. Dafür überzeugen ihre Werke mit Humor, manchmal auch mit einem zynischen Augenzwinkern oder mit geradezu albtraumhaftem Unterbau. Meistens haben ihre Werke kurze, prägnante Titel: "Die Flaschengeister", "Der Protest", "Gretchen und Mephisto". "Jede Deutung ist mir willkommen. Ich arbeite nach dem Wahlspruch, der in der Düsseldorfer Kunstakademie steht: 'Wenn der Künstler nur etwas sagen wollte, würde er sprechen.'"

Ausstellung ab 8. November, im Kultur-Haus Zach.

Quelle: RP
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