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Remscheid
Jugendlichen eine Perspektive bieten

Remscheid: Jugendlichen eine Perspektive bieten
Ein Erlebnis: Nach einem Jahr Training fuhren die Jugendlichen der EJBL 2009 mit ihren Betreuern mit dem Rad 550 Kilometer von Wermelskirchen nach Paris. FOTO: Gaube
Remscheid. Die Evangelische Jugendhilfe Bergisch Land feiert heute zehnjähriges Bestehen. Von Stephan Singer

Was im Herbst 2005 nicht nur auf ungeteilte Begeisterung stieß, ist heute ein Erfolg: Die Evangelische Jugendhilfe Bergisch Land (EJBL) feiert zehnjähriges Bestehen. "Natürlich gab es damals einige Vorbehalte, unseren gewohnten Gang zu ändern. Es mussten schließlich auch viele Dinge auf den Weg gebracht werden", sagt EJBL-Geschäftsführerin Silke Gaube mit Blick zurück auf die Fusion aus Städtischem Kinderheim Waldhof in Remscheid und dem evangelischen Kreiskinderheim in Wermelskirchen zur EJBL.

"Das Zusammenwachsen einer kommunalen und einer kirchlichen Organisation war juristisch und personell eine große Herausforderung", betont Gaube, zumal damals im Remscheider Heim rote und in Wermelskirchen schwarze Zahlen geschrieben wurden. Heute sei die Fusion eine "Wahnsinns-Entwicklung", eine nicht mehr wegzudenkende Erfolgsgeschichte, da die Einrichtung finanziell auf soliden Füßen stehe.

Was lange Zeit im Volksmund noch als Betreuung von "Problem-Kindern" galt, ist heute ein professionelles, differenziertes und dezentrales Jugendhilfe-Angebot. Die EJBL kümmert sich aktuell um 102 Kinder und Jugendliche in zwölf Wohngruppen, die sich in Häusern in Remscheid und Wermelskirchen befinden. Dazu kommt eine Tagesgruppe in Burscheid, die Kinder nach der Schule betreut. Die EJBL beschäftigt etwa 120 Mitarbeiter, die mit ihrer Stundenzahl rechnerisch 90 Vollzeitstellen besetzen.

Die 51-jährige Silke Gaube ist seit 28 Jahren dabei. "Wir haben früh Methoden der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Entscheidungsfindungen in der Einrichtung und in pädagogischen Prozessen umgesetzt. Heute ist ein Rechte-Katalog der jungen Menschen genauso selbstverständlich wie das Beschwerde-Management und die aktive Beteiligung am persönlichen Hilfeplan-Verfahren", sagt sie. "Sogar bei der Einstellung neuer Mitarbeiter haben die Kinder und Jugendlichen mitzureden."

Die EJBL gibt Kindern und Jugendlichen ein neues Zuhause und eine neue Familie, deren Eltern oder Verwandte sich nicht mehr (ausreichend) um sie kümmern können oder dies schlicht nicht mehr schaffen - Krankheit, Alkoholismus oder häusliche Gewalt können Ursachen dafür sein. "Unsere Kinder und Jugendlichen stecken in Krisensituationen, sie haben noch keine Punktlandung im Leben gemacht", sagt Gaube.

Aushängeschild der EJBL ist das im Bergischen Land einzigartige "Aufnahme- und Clearingzentrum" in Waldhof, das junge Menschen in zwei Gruppen mit je acht Personen aufnimmt und so aus akuten Krisensituationen herausnimmt. Dort erstellen dann pädagogische Fachkräfte eine psychosoziale Diagnose und erarbeiten mit den jungen Menschen sowie deren Familien eine Perspektive. "Ist die Perspektive erarbeitet, kommen die Jugendlichen entweder in eine unserer Gruppen oder wir vermitteln sie innerhalb unseres Netzwerks weiter", erläutert EJBL-Verwaltungsleiter Jörg Löwe. Aktuell macht die EJBL jährlich einen Umsatz von rund 6,5 Millionen Euro. Einnahmen generiert die EJBL meist über die Jugendämter, die für die Plätze der einzelnen Kinder und Jugendlichen bezahlen. Ist ein Kind bei der EJBL untergebracht, bekommen dessen Eltern nicht mehr das Kindergeld. Verdienen die Eltern genug, müssen sie einen einkommensabhängigen Beitrag leisten. "Die Einnahmen reichen für das Nötigste. Es ist schwierig, den jungen Leuten ein Geburtstagsgeschenk von zehn Euro zu kaufen. Dafür benötigen wir Spenden", betont Löwe.

Quelle: RP
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