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Remscheid
Lieber keinen als den falschen Azubi

Remscheid. Thomas Riedl, Ausbildungsleiter bei der Stadt, kennt die Tücken der Auszubildenden-Suche. Von Verena Kensbock

Als Ausbildungsleiter weiß Thomas Riedl, wie schwierig es sein kann, gute Bewerber zu finden. Er koordiniert bei der Stadt Remscheid 19 unterschiedliche Ausbildungsberufe - von Verwaltungswirten bis zu Abwassertechnikern.

In diesem Jahr ist bisher nur ein Ausbildungsplatz offen geblieben: eine Stelle als Straßenbauer. "Es gibt Berufe, die weniger beliebt sind. Dazu gehört auch der Straßenbauer. Es ist ein anstrengender, dreckiger Job." Drei Bewerber gab es auf den Ausbildungsplatz, zwei waren nicht geeignet. Der dritte Kandidat ist jetzt zu einem Eignungstest eingeladen. "Wenn er denn kommt." Das, sagt Thomas Riedl, sei nicht selbstverständlich. Alle Bewerber müssen sich durch einen Test kämpfen, ein Bewerbungsgespräch absolvieren und sich in einigen Fällen noch in einem Praktikum beweisen. Hier sieben sich viele Bewerber selbst aus - weil sie nicht erscheinen. "Wenn ich zehn Kfz-Mechatroniker einlade, rechne ich mit sieben."

Von denen, die dann am Test teilnehmen, fällt die Hälfte aufgrund schlechter Ergebnisse aus dem Raster. "Das Niveau sinkt, das merken wir an den Testergebnissen und an den Bewerbungen." Es gebe aber auch Kandidaten, die wegen ihres Verhaltens negativ auffallen. "Die Chemie muss einfach stimmen - das merkt man spätestens im Praktikum. Deshalb haben wir auch schon Kandidaten mit guten Testergebnissen abweisen müssen." Denn Thomas Riedl ist es lieber, gar keinen Kandidaten einzustellen als den falschen Azubi zu wählen. "Wir können einen Platz nicht um jeden Preis besetzen."

Das Problem gebe es bei den kommunalen Verwaltungsberufen - den klassischen Beamtenberufen - und Veranstaltungskaufleuten nicht. "Ich will nicht sagen, dass wir hier mit Bewerbungen zugeschüttet werden, aber es gibt mehr als genug Auswahl." Auf eine Stelle als Veranstaltungskaufmann oder -frau haben sich in diesem Jahr rund 50 junge Menschen beworben. "Es ist ein gefragter Modeberuf."

Da können die handwerklichen Berufe nicht mithalten. Veranstaltungstechniker fürs Teo Otto Theater und Fachangestellte für Bäderbetriebe fürs Freibad Eschbachtal seien nicht einfach zu finden. "Das liegt vermutlich an den Arbeitszeiten am Abend und am Wochenende. Das schreckt ab."

Bei den meisten Ausbildungsplätzen sei noch Luft nach oben, sagt Thomas Riedl. Vor allem für die handwerklichen Berufe würde er sich noch mehr gut qualifizierte Bewerber wünschen.

Aber immerhin ein Beruf sei eine sichere Bank: "Erstaunlicherweise ist der Forstwirt unter den handwerklichen Berufen die Ausnahme - dafür haben wir immer genügend gute Bewerber."

Quelle: RP
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