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Remscheid
Mehr Platz für die Kunstschule

Remscheid. Der Umzug der Musik- und Kunstschule in die früheren Galerieräume verzögert sich möglicherweise. Doch gibt es ein Konzept, das auch Flüchtlinge einbezieht. Von Christian Peiseler

Ob die Musik- und Kunstschule (MKS) im nächsten Jahr in die beiden bergischen Häuser an der Scharffstraße 7 bis 9 umziehen wird, kann Thomas Judt, Leiter des Gebäudemanagements, nicht versprechen. "Wir sind zeitlich noch nicht soweit, wie wir es wollten", sagt Thomas Judt. Es fehle durch die Besetzungssperre an Personal, um die Aufträge zügig zu erledigen. So müssen sich vor allem die Besucher der Kunstschule noch gedulden, denn sie sind die Gewinner des Umzugs.

Das obere Haus (Nummer 7) - von der Zentralbibliothek aus gesehen - ist als neues Kunstschul-Domizil vorgesehen. Bisher arbeiten die Dozenten im Keller der Böker-Villa. Künftig verfügen sie über separate Räume für ihre Projekte mit Holz, Ton und Stoffen. Auch der Garten der Galerie soll mit einbezogen werden. "Wir haben nicht mehr Platz als vorher", sagt Nicole Grüdl-Jakobs, Leiterin des kommunalen Bildungszentrums. Aber mit der neuen Zuteilung der Räume gebe es vor allem ein atmosphärisch verbessertes Angebot. Schlagzeuger werden in diesen Häusern nicht trommeln. Aus organisatorischen Gründen und auch aktustischen Bedenken. Damit die Trompeter und die Klavierspieler sich nicht mit den Flöten und Geigen akustisch ins Gehege kommen, sollen die Räume mit Schallschutzdecken ausgestattet werden. "Wir werden zunächst zwei Räume mit unterschiedlichen Materialien zur Probe ausstatten, um zu hören, für welches Instrument welche Schalldämmung am besten geeignet ist", sagt Grüdl-Jakobs. Der Schallschutz galt in der Diskussion um die Zukunft der ehemaligen Galerieräume als ein besonderes starkes Argument gegen einen Einzug der Musikschule in die unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäuser.

Unterm Dach entsteht ein kleiner Verwaltungstrakt mit Räumen für die Kunstpädagogen, einem Besprechungsraum, einem Lehrerzimmer und einem Einspielzimmer vor Konzerten. Mit Konzerten und kleinen Ausstellungen will sich die Musik- und Kunstschule in Zukunft besser der Öffentlichkeit präsentieren. Dazu dient auch das lichtdurchflutete Glasfoyer als Aufführungsort, das beide Häuser miteinander verbindet, "Wir können künftig Veranstaltungen der MKS mit der Zentralbibliothek kombinieren", sagt Grüdl-Jakobs.

"Begegnung" ist das zentrale Stichwort. Vor allem Begegnung zwischen Flüchtlingen und Bürgern. So etwas wie eine "kulturelle Willkommenskultur" soll dadurch in Remscheid entstehen. Ein einmaliges Projekt, das es sonst nirgends in Nordrhein-Westfalen gibt, wie Kulturdezernent Christian Henkelmann betont.

Daher wird das Land auch die Finanzierung des Umbaus und des Umzugs übernehmen. Die Förderung liegt bei 690.000 Euro. Der Eigenanteil der Stadt beträgt knapp 70.000 Euro. Zum Angebot der Willkommenskultur zählen neben den zahlreichen Sprachkursen der VHS und den Initiativen der Stadtbibliothek auch die Kurse der Musik- und Kunstschule, die auf die Bedürfnisse von Flüchtlingen besonders eingehen wollen. Flüchtlingskinder und Jugendliche können kostenlos die Angebote nutzen, an Malkursen teilnehmen, in Bands mitspielen oder im Chor mitsingen. "Kulturelle Teilhabe ist neben dem Erwerb der Sprache ein wichtiger Schritt zur Integration", sagt Grüdl-Jacobs.

Bis zum Frühjahr 2018 muss die Musik- und Kunstschule mit ihrem Konzept als Begegnungszentrum in die Häuser der Scharffstraße umgezogen sein. Bis dahin liegen die Gelder abrufbar bereit. Danach ist der Anspruch verfallen.

Quelle: RP
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