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Remscheid
Odyssee auf der Suche nach einem Hautarzt

Remscheid. Wütend und frustriert ist die 27-jährige Remscheiderin Melanie Müller* über die medizinische Versorgung in Remscheid. In einem Brief an die BM schildert sie ihre Erfahrungen: Als sie Ende voriger Woche mit einem chronischen Hautleiden, das in akuten Schüben auftritt, medizinische Hilfe suchte, wurde sie hin und her verwiesen, ohne dass ihr geholfen wurde. Das Problem: Alle Remscheider Hautarztpraxen waren nach ihrer Aussage geschlossen.

Was war geschehen? Als sich am vergangenen Freitag das dishydrotische Ekzem – "schmerzhafte Bläschen, die sich häufig entzünden" – an Händen und Füßen zeigte, versuchte die junge Frau, diese mit Salbe zu lindern. Ihre Hautärztin hat die Praxis wegen Urlaub geschlossen. Ein Schild verwies auf einen Kollegen, der an diesem Tag die Vertretung übernahmen. Danach möge man sich an den medizinischen Notdienst wenden.

Am Samstag verschlimmerte sich jedoch das Krankheitsbild. Melanie Müller wusste aus ihrer Leidensgeschichte, dass ihr verschreibungspflichtige Kortisontabletten helfen würden. Sie wandte sich an eine Apotheke. Dort erfuhr sie, dass alle Remscheider Hautärzte parallel ihre Praxen schließen. Beim Hausarzt wimmelte sie die Sprechstundenhilfe mit dem Hinweis ab, dass man ihr bei hautärztlichen Dingen nicht weiterhelfen könne. Den Notdienst wollte sie mit ihrem Leiden jedoch nicht behelligen, schreibt Müller und legte sich selbst Bandagen.

Aber der Zustand verschlimmerte sich. Schließlich suchte sie das Sana-Klinikum auf. "Wir sind hier keine Hautärzte", sagte die behandelnde Ärztin laut Müller. Unter Tränen bat die Patientin sie, ihr doch wenigstens Kortison zu verschreiben. Die Medizinerin gab ihr schließlich das Rezept – "aus reiner Freundlichkeit".

Damit habe sie richtig gehandelt, sagt Katrin Krause, Sprecherin des Sana-Klinikums. "Wenn wir das medizinische Spektrum nicht vorhalten, verweisen wir in dringenden Fällen auf die nächst gelegene Spezialklinik – in diesem Fall Wuppertal." Ansonsten – wie in diesem Fall – verweise man an die niedergelassenen Ärzte. Dass Fachärzte parallel Urlaub machen, sei nicht die Regel, sagt Karin Hamacher, Pressereferentin der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Ein örtlicher Sprecher war gestern nicht zu erreichen. Die Ärzte seien angehalten, sich abzustimmen. Melanie Müller hätte sich an die Notfallpraxis wenden können.

Nach Recherchen der BM haben drei der fünf Praxen momentan bis einschließlich 9. April wegen Urlaub geschlossen, eine bis zum 6. April. Eine weitere war gestern aufgrund der Quartals-Abrechnung nicht zu erreichen und nimmt heute nur ambulante Operationen vor.

(* Name von der Redaktion geändert)

Quelle: RP
 
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